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Die Burg Kapitel 10/11
Datum: 12.01.2022, Kategorien: Romane und Kurzromane, Autor: byAldebaranKastor
... lösen. Widerwillig tat ich es, denn mein Termin war gekommen. Also drehte ich mich weg und ging zum Haupthaus. Bevor ich durch die Tür schritt, drehte ich mich noch einmal um, aber Dorlein war verschwunden. Nichts deutete mehr darauf hin, dass sie eben dort gestanden hatte. Auch das Licht, was ich gesehen hatte, war nicht mehr an. Letztendlich ging ich ins Haus und stand wenige später vor der Tür der Kemenate. Hier atmete ich tief durch und ging einfach hinein. Ich glaubte nicht daran, dass ich klopfen brauchte, denn wer sollte um diese Zeit hier in der Burg zu ihr kommen, außer mir. Dieses Mal saß sie nicht im Sessel, sondern stand an einem der hohen Fenster. Die schweren Brokatvorhänge waren zur Seite geschlagen und sie sah hinaus. Das Fenster war zum Friedhof ausgerichtet, welcher weiter oben, aber nicht zu sehen war. Sie hatte mich sicher gehört, denn ich räusperte mich. Da sie sich nicht äußerte, ging ich durch den Raum und stellte mich an ihre Seite. Schweigend sahen wir, auf die vom Mondlicht erleuchteten Bäume, ohne ein Wort zu wechseln. „Ist es nicht schön?", hörte ich die Gräfin neben mir leise fragen. Dabei spürte ich, wie sie meine Hand in die ihre nahm. Ich schluckte, hielt ihre Hand im Gegenzug ebenfalls fest. Entgegen meiner Vermutung, war ihre Hand warm und fühlte sich genauso an, wie ich es von einem Menschen erwartet hatte. Bei ihr war ich mir zuvor nicht mehr sicher gewesen, immerhin war sie ein Wesen, was es nach ...
... wissenschaftlicher Meinung nicht gehen dürfte. Doch wenn man es genauer sah, war sie nicht tot, sondern sehr alt. So standen wir weiter, Hand in Hand, vor dem Fenster und sahen hinaus. „Seid ihr euch eigentlich im Klaren darüber, dass ihr den Titel Graf tragen dürft? Immerhin seid ihr der einzige Nachfahre des Grafen von Maiden. Von daher steht euch der Titel zu." Darüber hatte ich nicht nachgedacht und es kam mir seltsam vor. Graf Jens von Maiden. Es klang etwas fremd und ich war mir nicht sicher, ob ich diesen Titel wollte. Was hatte ich davon, wenn ich ihn trug? Während ich darüber nachdachte, sprach die Gräfin weiter. „Wie lange habe ich auf euch warten müssen. Seit ewiger Zeit warte ich und kann es immer noch nicht glaubten, dass ihr hier seid." Während sie diese Worte aussprach, drehte sie ihren Kopf in meine Richtung und ich tat es ihr gleich. Unsere Blicke trafen sich und ich sah ihr in die schwarzen Augen, aus deren einem Winkel eine Träne rann und über ihre Wange entlang nach unten floss. In dem Moment, als diese Träne an ihrem Kinn angekommen war, hob ich einen Arm und legte meinen Zeigefinger an diese Stelle. Die Träne lief von ihr auf meinen Finger und benetzte diesen mit Feuchtigkeit. Sie versuchte zu lächeln, aber es wurde von mehr Tränen begleitet. Es zuckte in ihrem Mundwinkel und ich konnte nicht mehr anders. Ich drehte mich zu ihr und zog sie an mich heran. Dann umarmte ich sie und hielt sie umschlungen, während sich ihre Arme fest um mich ...