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Die Burg Kapitel 10/11
Datum: 12.01.2022, Kategorien: Romane und Kurzromane, Autor: byAldebaranKastor
... können. Zwei Wochen später waren wir so gut wie fertig. Die Mauer war ausgebessert und der Dachstuhl war in einem wesentlich besseren Zustand. Wir standen einen Moment unten und ich sah nach oben, während Lorentz die Mauer betrachtete. „Hmmm", meinte er, „Ich glaube, das wird eine ganze Weile halten. Ihr versteht euer Handwerk, das kann man sehen, denn die neue Mauer unterscheidet sich kaum von dem Rest. Es sieht aus, als wenn sie schon immer dort gewesen wäre." „Danke für das Lob. Ich muss sagen, dass der Dachstuhl ebenfalls sehr gut aussieht. Es ist nur schade, dass man dafür kein altes Holz verwenden kann. Aber wenn man es streichen würde, dann sähe es überall gleich aus!" Lorentz sah mit nach oben und nickte einmal. Dann packte er seine Sachen zusammen. „Ein Pfeifchen?", meinte er und ich nickte. Wir hatten inzwischen eine Tradition entwickelt. Wenn wir fertig waren, gingen wir auf die Wehrmauer und setzten uns zwischen zwei Zinnen. Während unsere Beine über der Tiefe baumelten, schmauchten wir unser Pfeifchen und sahen zum Dorf herunter. Wenn es spät geworden war, konnten wir dabei zusehen, wie die Sonne langsam unterging und alles in ein geheimnisvolles, rötliches Licht tauchte. Zumeist ließ der Wind nach und man hörte ein paar Tiere des Waldes. Sonst war Stille um uns herum. Lorentz erzählte ...
... dann manchmal etwas über die Burg, oder besser gesagt, wie es früher ausgesehen hatte. Den Wald hatte es nicht gegeben. Was logisch war, denn in einem großen Umkreis, um die Burg, sollte keine Deckung für eventuelle Angreifer vorhanden sein. Zudem war es praktisch, denn das Holz konnte man auf der Burg gut gebrauchen. Die Ausführungen von Lorentz waren sehr bildlich. Er konnte einem ein Bild vermitteln, als wenn er es selber gesehen hatte. „Dann sind wir also jetzt fertig mit dem Auftrag. Oder habt ihr noch etwas für mich?" Ich schüttelte den Kopf. Im Moment hatte ich nichts mehr für ihn und ehrlich gesagt, für mich selber auch kaum etwas. Sicher, es gab auf einer Burg wie dieser, immer etwas zu reparieren, aber ob diese für einen weiteren Verbleib von mir reichte, wagte ich zu bezweifeln. Auf der anderen Seite war ich nicht wegen der Burg alleine hier. Das hatte mir die Gräfin deutlich gesagt. In den letzten Tagen hatte ich so viel zu tun, dass mir die Gräfin selten in den Kopf gekommen war. Da sie sich selber nicht sehen ließ, verdrängte ich meine Gedanken an sie. Wenn ich dann abends in den Gasthof kam, war ich nach dem Essen viel zu Müde, um mir weitere Gedanken zu machen. Zum Glück wurde ich nachts nicht mehr durch irgendwelche Besuche vom Schlafen abgebracht. Es wundert mich zwar, doch ich war dankbar dafür.