1. Der Fernfahrer 06


    Datum: 16.02.2022, Kategorien: Romane und Kurzromane, Autor: bysirarchibald

    ... wollte.
    
    Zuerst bemerkte ich es überhaupt nicht. Dann aber war es nicht mehr zu übersehen. Anke wurde unruhiger und nervöser, maulte hin und wieder auch schon mal mit mir, oder machte sich ein anders Mal besonders hübsch. Anrührende Versuche, bei denen es blieb. Kurz, Anke zeigte irgendwo, irgendwie Wirkung. Was mich auf die wohl entscheidende Idee brachte.
    
    Ein Plan entstand in meinem Hirn. Auch die anderen, mit denen ich ihn besprach, meinten, daß es so, wie ich es mir ausgedacht hatte, klappen könnte. Und so sollte das ganze vonstatten gehen:
    
    Ich würde Anke "hungern" lassen, immer weniger mit ihr schlafen und mich dabei nicht mehr bemühen, unser Liebesspiel so lange wie möglich hinzuziehen, sondern "kurze Fünfe" machen und sie immer unbefriedigter zurücklassen. Ich würde ihr gegenüber den Eindruck erwecken, daß ich eine Freundin hatte. Ich kannte Ankes Neugier und würde es schaffen, ihr "Beweismaterial" in die Hände zu spielen. Ich würde Ankes Reaktion abwarten, die hoffentlich dahin ging, daß sie sich Gudrun anvertraute. Die würde Anke schon richtig bearbeiten, das versprach sie mir. Ich würde, wenn nichts anderes half, Anke ganz unverblümt mit meinen Wünschen konfrontieren und ihr damit drohen, sie zu verlassen. In diesem Fall würde Gudrun auf Anke zugehen. Sie habe gehört, daß... usw usw.
    
    So mußte es gehen. So und nicht anders, davon waren wir alle überzeugt. Das ganze basierte allerdings auf der Annahme, daß Anke mich auch liebte und, um mich zu halten, ...
    ... bereit war, Dinge zu tun, die sie sonst weit von sich gewiesen hätte. Gut, ja, es lief auf Erpressung hinaus. Vielleicht aber war Anke ja auch froh, mich auf diese Weise los zu werden. Kann man sich der Liebe einer Frau eigentlich für alle Zeiten sicher sein? Vielleicht gab es ja auch ein unrühmliches Erwachen für mich.
    
    Das Drehbuch also war geschrieben und ich begann, das ganze hinterhältig in Szene zu setzen.
    
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    Dann aber kam mir, wie es häufig so ist, der Zufall zu Hilfe.
    
    Ich war an einem Donnerstag schon früh am Abend nach Hause gekommen und hatte, da ich erst am darauffolgenden Montag wieder eine Fuhre hatte, ein langes Wochenende vor mir. Nach einem langen und ausgiebigen Schlaf wachte ich am Freitagmorgen auf und machte es mir, nachdem ich mit Anke in aller Ruhe gefrühstückt hatte, im Haus gemütlich.
    
    Anke, die ihre Arbeit als Frachtvermittlerin sehr ernst nahm, hatte einige Termine in der Stadt zu erledigen und würde erst nachmittags wieder zu Hause sein. Der Abend sollte uns gehören. Er gehörte auch uns, aber anders, als ich es mir in meinen kühnsten Träumen vorzustellen gewagt hätte.
    
    Doch der Reihe nach.
    
    Statt um drei Uhr nachmittags, wie vereinbart, kam Anke erst um vier zurück. Ich war nicht böse, nein, denn wenn man Geschäfte macht, kann immer mal was dazwischen kommen. Aber einen Anruf hätte ich, glaube ich, schon erwarten dürfen. Gerade wollte ich Anke darauf ...
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