1. Die Burg Kapitel 08/09


    Datum: 12.03.2022, Kategorien: Romane und Kurzromane, Autor: byAldebaranKastor

    ... beschrieb mir, wie ich zu ihm finden würde.
    
    Lorentz hieß er und wohnte an der Brücke, die am Dorfrand über einen Bach ging. Es sollte das kleine windschiefe Haus an der linken Seite sein, wo er wohnte. Straßennamen und Hausnummern gab es hier im Dorf nicht. Man kannte sich und wusste, wo wer zu finden war.
    
    Bevor ich ihn aufsuchte, musste ich auf der Burg danach fragen, denn er würde es nicht für umsonst machen und war vielleicht kein gerne gesehener Mensch. Frau Gräfin war in solchen Sachen empfindlich, soweit ich es wusste.
    
    Als ich losging und nach meinem Wagen sah, war er nicht zurück. Seltsamerweise störte es mich nicht. Ich kam ohne aus.
    
    Ich ging zur Burg hoch und nahm dieses Mal nicht sofort den direkten Weg durch das Tor, sondern ging einmal die Burgmauer entlang, bis auf die hintere Seite. Hier bog ein kleiner Pfad ab, der mir schon beim letzten Mal aufgefallen war, als ich die Burg das erste Mal umrundet hatte.
    
    Er war zwei Gehwegplatten schmal, aber man konnte sehen, dass er benutzt wurde, denn es wuchs kein Unkraut zwischen den Platten hervor. Würde sich niemand darum kümmern, wäre es anders.
    
    Der Weg schlängelte sich langsam höher und nach hundert Metern knickte er ab. So überwand ich eine Art Erhebung, bis ich in einer Art Bergkessel stand. Steil ragten Felswände an drei Seiten in die Höhe und erzeugten ein beklemmendes Gefühl. Vor mir öffnete sich ein winziges Tal und es kam mir vor, als wenn ich durch einen Trichter lief. An der engsten ...
    ... Stelle, war ein fünf Meter hohes, starkes Gitter von einer Seite zur anderen in den Felswänden verankert worden. Obenauf ragten lanzenartige Spitzen in den Himmel. Man konnte nicht darüber hinweg klettern. Dort hinein, war ein massives Gittertor in das Konstrukt eingelassen und ich ging darauf zu.
    
    Ich hatte nicht damit gerechnet, doch es war nicht abgeschlossen, sondern ließ sich einfach öffnen. Es quietschte nicht einmal, als sich die uralten Scharniere in Bewegung setzten. Sie waren gut gefettet.
    
    Wenige Schritte weiter, machte der Weg einen Halbbogen und ich blieb einen Moment stehen, denn was mich erwartete, hatte ich noch nicht gesehen.
    
    Vor mir lag ein kleiner Friedhof, der aber vollkommen anders aussah, als ich es kannte. Trotzdem hatte ich den Eindruck, als wenn ich ihn schon einmal gesehen hätte. Jeder Stein war mir vertraut. Erklären konnte ich mir diesen Umstand nicht.
    
    Auf der freien Fläche standen mehrere, steinerne, kleine bis mittelgroße Totenhäuser. Sie waren wirklich wie Häuser aufgebaut worden und jeweils mit einer Doppeltür zum Weg hin ausgerichtet. Über den Weg konnte man zwischen ihnen durchgehen und hatte das Gefühl, sich auf einer verkleinerten Straße zu befinden. Es waren auf jeder Seite fünf verschieden aussehende Häuser.
    
    Dazwischen lag jeweils eine große Grabplatte. Dabei hatte man den Eindruck, als wenn der Untergrund sorgfältig aus dem Felsen modelliert worden war, denn er war flach und gerade. Es musste eine gewaltige Arbeit gewesen sein, ...
«1234...14»