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Die Burg Kapitel 02
Datum: 30.04.2022, Kategorien: Romane und Kurzromane, Autor: byAldebaranKastor
... sah es mir genauer an. Ich hatte jetzt vieles vom Nahen gesehen und verglich es mit der Abbildung. Dafür, dass es alt aussah, hielt es sich genau an das, was ich vor wenigen Stunden gesehen hatte. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass die Anlage zu der Zeit genauso ausgesehen hatte, wie es jetzt auf dem Bild dargestellt war, es sei denn, es war nicht alt, wie es aussah. Es musste neueren Datums sein. Da ich kein Experte auf diesem Gebiet war, musste es so sein, eine andere Erklärung gab es dafür nicht. Während ich auf das Bild starrte und es mit dem in meinem Kopf verglich, wurde es plötzlich still im Raum, was ich nicht sofort mitbekam, ich war weiterhin auf das Bild fixiert. Doch dann drang eine Stimme an mein Ohr, deren Klang ich nachgehen musste. „Gefällt euch meine Burg?", kam es an mein Ohr und ich drehte meinen Kopf in die Richtung, aus der die Stimme kam. Etwa einen Schritt vor meinem Tisch, stand eine Frau. Nein, nicht nur eine Frau, sondern eine Erscheinung. Sie trug ein langes, schwarzes Kleid, welches bis auf den Boden reichte und weiter oben mit dem Kragen, eng am Hals anlag. Ihr Körper kam mir dabei vor, als wenn er modelliert worden wäre. So etwas kannte ich aus Filmen, in denen Frauen Korsagen trugen. Ihre Taille schmal, die Hüfte breiter. Der leicht glänzende Stoff, floss dabei über ihre Figur und verstärkte den Eindruck. Doch so sehr ich dieses Kleid bewunderte, war ihr Kopf wesentlich interessanter. Ihr weißer, schlanker, langer Hals ...
... ragte aus dem Kleid hervor und endete in einem, wie aus Porzellan gegossenen Kopf. Die schmalen Lippen hoben sich im bleichen Gesicht stark ab und leiteten den Blick auf eine zierliche Nase. Auf dieser verweilte mein Blick nicht lange, sondern wurde magisch von ihren Augen angezogen. Sie waren schwarz wie Kohlenstücke und schienen keine Iris zu haben, nur rechts und links war Weiß zu erkennen. Sie wirkten riesig, obwohl sie sicher eine normale Größe hatten. Die pechschwarzen Haare waren streng nach hinten gezogen worden und endeten in einem gedrehten Dutt. Einen Moment blieb mein Blick auf ihrer Erscheinung haften und ich brachte kein Wort heraus. Stattdessen starre ich sie an, und wenn mein Mund nicht geschlossen gewesen wäre, wäre mir sicher mein Speichel an der Seite herausgeflossen. „Habe ich euch erschreckt?", sagte sie auf einmal zu mir, verzog die schmalen Lippen zu einem hintergründigen Lächeln und legte ihren Kopf leicht schräg. Das brach mein Schweigen und ich fand ins Jetzt und Hier zurück. „Oh, entschuldigen sie Frau Gräfin", meinte ich und erhob mich von meinem Stuhl. Dabei war ich froh, dass mir der Adelstitel eingefallen war. Sie nahm es wohlwollen auf, denn ich meinte zu sehen, wie sich ihr Lächeln verstärkte, als ich sie so nannte. „Möchten sie sich zu mir setzen oder möchten sie woanders hingehen?", fragte ich sie sofort, um freundlich zu sein. „Es ist eher ungewöhnlich, dass der Eingeladene diese Vorschläge macht, doch ich nehme gerne bei ...