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Die Burg Kapitel 02
Datum: 30.04.2022, Kategorien: Romane und Kurzromane, Autor: byAldebaranKastor
... euch Platz, wenn ihr mir einen Stuhl anbieten würdet!" Ein Fauxpas allererster Kajüte. Wieso war mir das nicht gleich eingefallen. Auch wenn ich mich nicht in adeligen Kreisen bewegte, waren diese Gesten etwas Nettes. Leider standen die meisten Menschen nicht mehr darauf, obwohl ich sie gerne zelebrierte. Dies drückte die Wertschätzung gegenüber dem anderen aus. Sofort umrundete ich den Tisch, zog einen Stuhl hervor und wartete, bis sie davor stand. Danach schob ich diesen vorsichtig nach vorne. Sie setzte sich nicht ganz auf den Stuhl, sondern eher auf den vorderen Rand, verharrte steif, bis ich mich gesetzt hatte. „Ihr seid also Jens von Maiden, schön euch kennenzulernen!", sagte sie, wobei ihr zauberhaftes Lächeln ihren Mund umspielte. Ja, auch ich haben den Vorsatz „von", aber lege keinen großen Wert darauf. Einmal davon abgesehen, dass ich nicht weiß, woher er kommt. Ich hatte zwar Ahnenforschung betreiben wollen, war nie dazu gekommen. Zu langwierig. Außerdem, was hatte ich davon, wenn ich wusste, wer mein Urururururgroßvater war. Vielleicht entstammte ich aus verarmtem Adel, doch das konnte ich nicht sagen. Gebracht hatte es mir bis jetzt nichts. „Ich habe euch kommen lassen, da ich auf meiner Burg ein paar Dinge ausgebessert haben möchte. Leider verfüge ich nicht über die Mittel, es vollständig renovieren zu lassen. Es würde mich freuen, wenn ihr es euch anschauen könntet und mir sagt, was alles gemacht werden müsste. Euer Quartier könnt ihr ...
... weiterhin hier behalten. Solltet ihr euch entschließen, die nötigen Reparaturen selber durchzuführen, könnte ich euch eine Unterkunft auf dem von mir bewohnten Teil der Burg anbieten. So wärt ihr gleich an eurem Arbeitsplatz." Ihre Stimme war so süß, dass sie einen einlullte. So saß ich da, nahm ihre Worte zwar wahr, doch ihr Sinn entging mir eine Zeit lang, bis ich mich zwang, aufpassen, denn irgendwann würde sie mich etwas fragen. „Ihr könnt morgen mit der Besichtigung meines Anwesens beginnen, hierzu habt ihr Zutritt zu allen Gebäuden, bis auf meinen kleinen Privatbereich. Wenn ihr in die Burg hinein oder hinaus wollt, müsst ihr euch an und abmelden." Alles klang vernünftig und ich wartete auf den Passus, was ich verdienen würde. Fragen wollte ich nicht, es fiel mir schwer, über diesen Teil mit ihr zu sprechen. Ich fand es nicht passend, wenn auch erforderlich. Zum Glück kam sie selber auf dieses Thema. „Zur Entlohnung erhaltet ihr jede Woche im Voraus einen Gulden, ein Lohn, der hoffentlich euren Erwartungen entspricht. Man hat mir gesagt, dass es für eure Tätigkeit reichlich ist." Ich nickt, hatte jedoch kein Wort verstanden. Ich sah sie an und war so verzaubert, dass mir nicht einfiel, sie zu fragen, was sie mit Gulden meinte. Stattdessen hob sie ihren Arm hoch und schob mir mit ihrer zierlichen Hand eine Goldmünze herüber. Diese blieb vor mir liegen, wurde von mir jedoch nicht beachtet. „Also werdet ihr morgen auf meine Burg kommen. Ich hoffe, der ...