1. Der Spanner Teil 02


    Datum: 30.05.2022, Kategorien: Nicht festgelegt, Autor: bys_napples

    ... misstrauisch folgte sie mir. „Und stellen Sie den Koffer nicht auf dem Rasen ab", wies sie mich an. „Ist ja schließlich von Prada, aber davon haben Sie ja keine Ahnung." Das stimmte zwar nicht, aber ich ignorierte ihre snobistische Ader.
    
    Als sie in der Tür stand, sagte sie: „Also nein, hier kann ich nicht bleiben. Das ist ja nur ein einzelner Raum, die Vorhänge fehlen und das Badezimmer hat ja ebenfalls Panoramafenster und fehlende Vorhänge. Ändern Sie das bitte umgehend."
    
    „Was wäre Ihnen lieber?" testete ich ihre neu erworbenen Skills. „Sie ziehen hier ein, lassen alles so wie es ist, denken sich die Vorhänge einfach, motzen nicht weiter herum oder Sie mähen den Rasen?" Absurde Alternative, aber einen Versuch war's wert. Sie bekam einen entrückten Gesichtsausdruck und ich schlug ihr vor, einfach einzuziehen und sich so zu verhalten, als ob Vorhänge da gewesen wären. Bingo. Anscheinend funktionieren auch absurde Vorschläge. Vielleicht hätte ich sie erst den Rasen mähen lassen sollen. Der hätte es mal wieder nötig, aber das konnte sie ja immer noch machen. Ich wuchtete den Koffer auf's Bett, verließ die Hütte und informierte sie darüber, dass es um 19:00 Uhr Abendessen im Haus gäbe. Sie bedankte sich höflich und richtete sich ein, wie ich durch das riesige Fenster sehr beobachten konnte.
    
    Ich kochte ein veganes Gericht und deckte gerade den Tisch, als Barbara zur Tür hereinkam. Sie wirkte müde und hatte Hunger. „Oh, haben wir einen Gast?" fragte sie mit einem Blick auf ...
    ... den gedeckten Tisch. Ich deutete auf das Gartenhaus. „Frau Oberschnepfe Emilia Notzke wohnt jetzt für ein Jahr im Gartenhaus."
    
    Mit einer ganz kleinen Spur von Eifersucht gab Barbara zu bedenken: „Hältst du das für eine gute Idee? Dieses arrogante Fräulein Ich-bin-was-Besseres hier wohnen zu lassen?"
    
    „Wir werden sehen. Jetzt essen wir erstmal und dann lässt du dich von ihr massieren. Das wird dir gut tun", beschwichtigte ich sie und bat sie, die Notzke zum Essen zu holen, weil ich noch Wein aus dem Keller holen wollte. Barbara machte sich auf den Weg und kam mir ihr leicht genervt zurück.
    
    An Emilias blasierten Blick konnte ich mir ungefähr das Gespräch der beiden vorstellen. Wir setzten uns und Emilia fing gleich an, alles zu kritisieren. Das Besteck zu billig, keine Tischdecke und überhaupt, was das denn für ein Essen sei, es fehle Fleisch. Barbara schaute mich mit diesem Ich-habe-es-dir-ja-gesagt-Blick an und ich beschloss, umgehend in Ruhe zu essen.
    
    „Schauen Sie, Emilia", begann ich und erntete einen missbilligenden Blick, weil ich Sie mit dem Vornamen ansprach. „Es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder Sie essen alles, was hier auf den Tisch kommt, sind zufrieden, mit dem was wir Ihnen bieten, werden im Anschluss an das Essen den Tisch abräumen, aufräumen und danach Barbara massieren oder sie stehen jetzt einfach auf."
    
    Barbara schaute mich entgeistert an, dann wanderte ihr Blick zu Emilia, die mit glasigen Augen am Tisch saß und so tat, als arbeitete es in ihr. ...