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Die Burg Kapitel 04/05
Datum: 14.08.2022, Kategorien: Romane und Kurzromane, Autor: byAldebaranKastor
... stellte ich mir vor, wie es ausgesehen haben musste, als hier vielleicht ein Fest gefeiert wurde. Dann war hier sicher ein großes Feuer am Brennen und man hörte die Stimmen der Ritter, die emsig von einem Mundschenk versorgt wurden. Wenn ich meine Augen zumachte, dann konnte ich es vor mir sehen und meinte die Becher zu hören, die gegeneinander geschlagen wurden. Dann machte ich meine Augen auf und erschrak gewaltig, als auf einmal jemand neben mir stand. Ich drehte meinen Kopf und sah Frau Gräfin neben mir stehen, wie sie eines der Bilder betrachtete. „Habt ihr Interesse an meiner Familie?", sagte sie, ohne ihren Blick von dem Bild abzuwenden. Ich sah sie von der Seite aus an und betrachtete sie einige Sekunden lang. Sie sah genauso aus, wie ich sie das erste Mal gesehen hatte. Sie wirkte genauso steif, doch jetzt konnte ich ihre Figur nun seitlich sehen. Das Kleid was sie trug, sah genauso aus, hatte aber mehr Rüschen an den Ärmelenden und am Hals. Dazu hatte sie ihre Haare nicht in einen Dutt gedreht, sondern waren in einem mittelalterlichen Haarnetz, an ihrem Hinterkopf, versteckt. „Ich weiß nicht viel über die Zeit. Es wäre interessant etwas darüber zu erfahren", antwortete ich ihr. „Es würde mich freuen, wenn sie mir vermitteln würden, wie es hier früher war." Jetzt dreht sich die Gräfin in meine Richtung und sah mir, mit ihren unergründlichen Augen, tief in die meinen. „Ich werde euch nicht mit langweiligen Zahlen behelligen, aber ich werde ...
... versuchen euch die Zeit näher zu bringen. Es kann nicht schaden, wenn ihr einen Eindruck davon bekommt." Daraufhin wandte sie sich von mir ab und ging Richtung Tür. Dabei folgte ich ihr und war verwundert, dass sie nicht im Raum blieb. Stattdessen folgte ich ihr, zur nach oben führenden Treppe und stieg diese hinter ihr hinauf. Ich will dabei nicht verschweigen, dass ich ihr auf den wohlgeformten Hintern starrte, der sich vor mir wiegend aufwärts bewegte. Am Treppenende angekommen, staunt ich nicht schlecht, als ich in einem überlangen Flur stand, an dem der ganzen Länge nach, große und kleine Bilder hingen. Sie zeigten alle irgendwelche Porträts von Männern und Frauen. Wir gingen an ihren entlang bis zum Ende oder Anfang, wie man es auch immer sah. In diesem Fall war es eher ein Anfang, denn hier hing ein sehr dunkles Bild eines Mannes, welches kaum zu erkennen war. Auch die Art zu malen war sehr alt und es war eher ein stilisiertes Porträt als eine wirkliche Abbildung des Kopfes. Hier blieb die Gräfin stehen und erklärte mir, was es mit dem Bild auf sich hatte. Es zeigte die erste Abbildung eines Vorfahren von Ihr. Ihr Stammbaum ging zwar weiter zurück, aber über diese Ahnen gab es keine Bilder. Hatte ich jetzt befürchtet, einen endlosen Vortrag über jeden zu bekommen, der hier hing, hatte ich mich getäuscht. Der Vortrag wurde zwar lang, aber alles andere als langweilig. Frau Gräfin konnte so interessant erzählen, dass es einem vorkam, als wenn sie dabei ...