1. Das Bangkok Syndikat 14


    Datum: 19.09.2022, Kategorien: Nicht festgelegt, Autor: bySena78

    Dreiundzwanzigster Tag, abends, Bangkok
    
    Long atmete tief durch und zwang sich zur Ruhe. Er legte den ersten Gang ein und steuerte den Bus die Auffahrt entlang, die zur Notaufnahme des ehemaligen Krankenhauses führte, so wie er es schon oftmals getan hatte, mehrere Male die Woche, viele Monate lang. Dennoch verspürte er dieses seltsame Gefühl im Magen, gemischt aus unterschwelliger Angst und Unruhe, welches er mehr als nur quälend empfand.
    
    „Warum schwitzt du denn so, Long? Was ist los mit dir?"
    
    Der Chinese hörte den gehässigen Unterton in der Stimme einer seiner beiden Kollegen, die ihn von der Beifahrersitzbank aus musterten. Von Anfang an war heute alles anders gelaufen, als üblich. Nicht Chu, sondern diese beiden, ihm unbekannten Kollegen begleiteten ihn, waren ihm bei keinem seiner bisherigen Gänge von der Seite gewichen. Er kannte diese Maßnahme nur zu gut und wusste, dass etwas die Normalität gestört hatte. Die gefährliche Aura latenter Gefahr breitete sich um ihn herum aus, die ihn existenziell zu bedrohen schien.
    
    „Es ist heiß, was soll schon los sein?"
    
    Das Lachen, zu dem er sich zwang, gelang ihm einigermaßen natürlich. Wenn sich die dunklen Wolken der Gefahr über ihm weiter verdichteten, musste es ihm gelingen, überzeugend zu wirken.
    
    „Und Ihr? Warum ist Chu heute nicht dabei? Hat er etwas ausgefressen?"
    
    Die beiden Schläger an seiner Seite lachten heiser auf.
    
    „Ich glaube nicht, dass der noch etwas fressen kann.", verlieh der Long ...
    ... näher Sitzende seinem Spott Ausdruck.
    
    Long atmete nochmals tief durch und versuchte, seine Panik zu unterdrücken. Er hielt den Wagen vor dem Haupteingang des Club Bizarr an, stellte den Motor ab und zog die Handbremse.
    
    „Kommt Ihr mit?"
    
    Die beiden Männer grinsten, während sie sich einen flüchtigen Blick zuwarfen.
    
    „Na klar! Wir wollen ja schließlich nicht, dass du uns verloren gehst.", witzelte der Außensitzende.
    
    Long wusste jetzt Bescheid. Erst Chu, nun er selbst. Was warf man ihm eigentlich vor? Wieso rückten diese beiden Schläger erst jetzt damit heraus?
    
    Er sah die Dominas und deren Sklaven vor dem Eingang stehen, da fiel es ihm auch schon wie Schuppen von den Augen. Die Lederschlampe! Sie war der Grund für die Situation, in der er sich jetzt befand. Er spürte es deutlich. Sollten die paar Schläge, die er ihr verabreicht hatte, ausgereicht haben, um Wang zu erzürnen? Ein weiteres Detail seines gestrigen Botengangs drängte in seine Erinnerung. Die tausend Dollar! Den größten Teil des Geldes trug er noch in seiner Brieftasche bei sich.
    
    „Komm! Man wartet schon auf dich. Der Chef möchte wissen, was mit dir los ist und weshalb du ihn betrügen willst.", klärte ihn sein Sitznachbar hämisch grinsend auf.
    
    Long schwindelte, ahnte, was es mit dieser Provokation auf sich hatte. Wenn er jetzt zu fliehen versuchte, würde dies als Eingeständnis seiner Schuld gewertet werden. Wahrscheinlich würden sie ihn niederschießen, vielleicht aber auch nur festhalten und ...
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