1. Das Bangkok Syndikat 14


    Datum: 19.09.2022, Kategorien: Nicht festgelegt, Autor: bySena78

    ... zusammenschlagen.
    
    ,Bleib ruhig!´, dachte er sich, ,und tue Ihnen nicht den Gefallen. Die beiden warten doch nur darauf, ihr Spiel mit dir endlich zu beginnen.´
    
    Die Blicke der Lederhuren wirkten anders, als gewohnt, selbst die ihrer hörigen Gefolgschaft. Auch sie schienen die Veränderung zu erkennen, ließen Genugtuung und Schadenfreude durchblicken. Eine der bizarren Frauen grinste ihm sogar ohne jegliches Anzeichen von Respekt unverschämt ins Gesicht.
    
    Plötzlich sprang Long zur Seite, ehe seine, von ihm unerwünschte Eskorte reagieren konnte, und knallte der frechen Thailänderin seine rechte Faust ins Gesicht. Die Getroffene taumelte nach hinten, aus ihren Nasenlöchern begann Blut zu spritzen. Schließlich stürzte sie und schlug der Länge nach hin. Ihre Kolleginnen kümmerten sich umgehend um die Verletzte, während die beiden Schläger an Longs Seite traten und ihn wieder zwischen sich zwangen.
    
    „Nicht schlecht. Die wird nicht noch einmal ihre Fresse verziehen.", witzelte der ihm Linksstehende mit ironischem Blick.
    
    Long fühlte sich augenblicklich ein wenig erleichtert, diese Form der Anerkennung schien ihn etwas über die eigenen Umstände hinwegzutrösten.
    
    Zwei Minuten später blieben die drei Männer vor jener Tür stehen, hinter der Long die Tage zuvor gewütet hatte. Jasmin kam ihm in den Sinn. Hätte er sich nur an sie gehalten, wäre jetzt alles gut. Es konnte gar nicht anders sein, es war unzweifelhaft die Lederschlampe, die ihn gestern in sein Unglück gestürzt ...
    ... hatte.
    
    Einer seiner Begleiter drückte die Türklinke und grinste Long dabei unverhohlen ins Gesicht. Dann gab der größer werdende Türspalt den Blick in das Büro der Klub-Chefin frei. Long erkannte Jasmin und die Domina, die hinter dem Schreibtisch an der Wand standen. Im Bürostuhl davor hatte Wang Platz genommen, der jedoch nicht zu den Hereintretenden aufsah, sondern die auf dem Schreibtisch liegenden Bücher und deren Einträge prüfte. Beiläufig blickte der Pate auf ein zerknittertes, zusammengeknülltes Blatt Papier, das er zwischen seinen Händen hin und her jonglierte. Es sah aus, als hätte man es auf der Straße aufgelesen.
    
    41. Dreiundzwanzigster Tag, abends, Bangkok
    
    Beinahe eine halbe Stunde stand Long jetzt schon zwischen den beiden kräftigen Schlägern. Kein Wort wurde gesprochen, nur das leise Blättern des Paten in den Geschäftsberichten des Klubs war zu hören. Wang inszenierte sich auf gewohnte Weise, untermauerte seine Bedeutung, indem er jeden und alles warten ließ. Ein Wort oder eine Geste genügte, um Longs Leben einen neuen Abschnitt beginnen oder dieses ein Ende finden zu lassen. Der Mann zwischen den beiden Mafia-Schergen gab sich keiner Illusion hin, er hatte dem Alten selbst oft genug zugesehen, als dieser strafte und Existenzen vernichtete, die ihn und die Ordnung in seiner „kleinen" Welt störten.
    
    Long versuchte, ruhig zu bleiben, atmete in tiefen, gleichmäßigen Zügen und zwang die aufkommenden Ängste immer wieder aus seinem Verstand. Ein klarer Kopf ...
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