1. Das Bangkok Syndikat 14


    Datum: 19.09.2022, Kategorien: Nicht festgelegt, Autor: bySena78

    ... schien ihm die einzige Möglichkeit zu sein, sein Leben zu retten, wenn ihn der Pate nach Durchsicht der Unterlagen zur Rede stellen würde. Es gelang ihm weitestgehend, sich zu beruhigen, seine Anspannung und Panik zu beherrschen. Eine einzige Frage drängte immer wieder aufs Neue in sein Bewusstsein. Was war mit Chu passiert? Was hatte es mit der süffisanten Aussage eines seiner beiden Bewacher nur auf sich? Chu würde nichts mehr fressen können? Weilte er etwa nicht mehr unter den Lebenden? Oder hatten sie ihm lediglich die Zähne ausgeschlagen? Sein Kollege wusste nichts, hatte mit ihm und seinen tausend Dollar nichts zu schaffen gehabt. Was würden sie also erst mit ihm anstellen, da er doch so offensichtlich Geld unterschlagen hatte?
    
    Er hob seinen Kopf und blickte über Wangs Kopf hinweg auf die Thai-Domina, die für seine Situation verantwortlich war. Wie üblich wirkte ihr Gesicht nichtssagend und zeigte keinerlei erkennbare Regung. Er glaubte, dass sie seinen Blick regelrecht spüren musste, dennoch ignorierte sie ihn. Hatte sie ihn vielleicht schon abgeschrieben? Wusste sie vielleicht schon, was mit ihm passieren würde? Er erinnerte sich an die Schilderungen seiner Kollegen, die oftmals erzählt hatten, dass Wang diese Frau immer wieder aufs Neue zu sich bestellt, sie bei diesen Audienzen geschlagen, vergewaltigt und gedemütigt hatte. Dennoch schien zwischen ihr und dem Paten ein Band zu bestehen, das über das normale Verhältnis zwischen Opfer und Täter hinausging.
    
    Long ...
    ... schreckte auf, als der Pate den vor sich liegenden Aktenstapel beiseiteschob. Er hatte immer noch dieses eine, schmutzige Stück Papier in der rechten Hand, das das ausschlaggebende Indiz für Longs Schuld zu sein schien.
    
    Long erinnerte sich, dass er Nori das Papier in den Mund gestopft hatte. Sie hatte es geschluckt, dessen war er sich sicher gewesen. Sie musste es herausgewürgt haben, anders war das Wiederauftauchen dieses verhängnisvollen Zettels nicht zu erklären.
    
    Weitere Minuten verstrichen, während der Pate seinen Untergebenen über den Tisch hinweg musterte. Seine Miene wirkte nachdenklich, doch ohne erkennbare Spur von Wut oder Aggression. Dennoch wusste Long, dass diese zur Schau getragene Ruhe nichts zu bedeuten hatte. Wang hatte sich gut im Griff, wurde nur selten ausfallend und gab sich auch in schwierigen Situationen vorwiegend beherrscht. Der Pate war skrupellos und Long ohne Schwierigkeiten zu ersetzen.
    
    „Du weißt, weshalb ich hier bin, deshalb kann ich mir nähere Erläuterungen wohl ersparen."
    
    Die Stimme des Alten klang ruhig, aber bedrohlich. Longs Herz zog sich zusammen, er hatte diesen Tonfall schon oft vernommen, er bedeutete nichts Gutes für ihn.
    
    „Ich will gar nicht weit ausholen. Du hast der Organisation Geld unterschlagen, einen zahlenden Kunden stark verunsichert und unseren Ruf geschädigt."
    
    „Wang, ich ..."
    
    Einer heftigen Handbewegung des Alten folgte ein blitzartiger Schlag in Longs Bauch. Schmerz und Übelkeit breiteten sich in seinem ...
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