1. Das Bangkok Syndikat 14


    Datum: 19.09.2022, Kategorien: Nicht festgelegt, Autor: bySena78

    ... Nori hinauswollte.
    
    „Jaaa! Es hat mir gefallen!", brüllte er seine Verzweiflung in den Raum.
    
    Nori nickte zufrieden. So wie Christian, schien sich auch Alain mit seinem Schicksal abzufinden. Diese Erkenntnis beruhigte sie einigermaßen, wenngleich sie ihr auch nicht bei der Lösung ihrer Probleme half. Die Domina zwang sich zurück in ihre Professionalität, zog Kim zur Seite und redete eindringlich auf sie ein.
    
    „Wang beschwert sich, weil die beiden nicht mehr genug Geld einbringen. Wir werden also für nächste Woche die erste Show ansetzen. Bereite ihn vor, damit er durchhält. Das Programm besprechen wir, wenn es soweit ist."
    
    Kim wurde bleich, nickte aber schließlich.
    
    „Wir sprechen morgen über den genauen Ablauf. Du weißt, was es für die beiden bedeuten könnte, wenn wir nicht mehr genug mit ihnen verdienen."
    
    Die Blondine riss entsetzt die Augen auf. Nori brauchte sich ihr nicht weiter zu erklären.
    
    45. Fünfundzwanzigster Tag, morgens, Bangkok
    
    Für Jasmin hatte ein neuer Tag begonnen. Obgleich sie früh zu Bett gegangen war, fühlte sie sich wie erschlagen. Adrett gekleidet und sorgfältig geschminkt, wirkte sie trotz ihrer fortgeschrittenen Jahre durchaus attraktiv. Doch ihr apartes Äußeres entsprach nicht den düsteren Gedanken, die sie verfolgten, ihren Ängsten und Erinnerungen an die Tage, als sie von Long gedemütigt und geschändet worden war. Sie hatte gehofft, dass sie jetzt endlich Ruhe finden würde, nachdem dieser brutale Chinese seine Strafe bekommen ...
    ... hatte, doch die Tatsache, das er noch am Leben war, hielt sie weiterhin in ihrer Angst gefangen. Weshalb nur hatte Nori Longs Tod verhindert? Sie dachte an Wang und dessen Urteil. Es musste schrecklich sein, auf solche Art und Weise umzukommen. Jasmins Angst ließ sie zittern. Das erste Mal in all den Jahren, die sie in diesem Haus verbracht hatte, begriff sie, in welchen Strukturen sie eingebunden und schließlich auch gefangen war. Die Illusion, frei und unabhängig geblieben zu sein, war ihr von Long und dem Paten unwiderruflich genommen worden.
    
    Die Tür öffnete sich, jemand betrat das Büro. Jasmin wusste, auch ohne aufzusehen, dass es Nori sein musste. Nur sie besaß die Frechheit, ohne anzuklopfen, einzutreten.
    
    „Mal sehen, welche Termine wir heute haben."
    
    Die Domina stellte sich an den Schreibtisch der Klub-Chefin, griff nach deren Terminkalender und begann, darin zu blättern. Lediglich zwei Neuzugänge waren für den heutigen Tag verzeichnet, einer nachmittags, der andere abends. Die Termine wiesen keine Auffälligkeiten auf, abgesehen vielleicht davon, dass der eine Anfänger war.
    
    „Warum hast du Wang ein weiteres Jahr versprochen? Ich verstehe das nicht."
    
    „Du selbst hast mir doch gesagt, dass er mich nicht gehen lassen wird. Oder war das gelogen?"
    
    Der drohende Unterton im letzten Satz war nicht zu überhören. Jasmin blickte die Thai-Domina erschrocken an.
    
    „Du weißt, dass es stimmt. Doktor Lubana hat es mir glaubhaft versichert. Bitte, Nori, ich möchte nicht, dass ...
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