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Das Bangkok Syndikat 16
Datum: 26.11.2022, Kategorien: Nicht festgelegt, Autor: bySena78
50. Siebenundzwanzigster Tag, abends, Bangkok Jasmin hatte lange nachgedacht, ob sie ihrem Peiniger noch einmal gegenübertreten wollte oder nicht. Als ihr aber Nori angekündigt hatte, Long heute aus seinem Schubfach im Leichenraum der pathologischen Abteilung herauszuholen, wollte sie unbedingt dabei sein. Es würde ihr eine Genugtuung sein, dieses Scheusal gebrochen vor sich liegen zu sehen, wimmernd und hilflos das Schicksal ertragen müssend, welches Frauen ihm auferlegt hatten. Doktor Lubana an ihrer Seite, legte ihr den rechten Arm um die Schultern und folgte ihren Blick. Long war der zweitägige Aufenthalt in völliger Isolation denkbar schlecht bekommen. Er wirkte ausgelaugt und verzweifelt, war offensichtlich durch seine persönliche Hölle gegangen. Der in Ungnade gefallene Chinese zuckte am ganzen Körper, hatte sich mehrere Male erbrochen und schien nicht in der Lage zu sein, auch nur einen einzigen klaren Gedanken zu fassen. „Er ist ziemlich fertig. Ich werde ihm später noch eine Spritze verabreichen müssen, damit er wieder einigermaßen zu Kräften kommt." Jasmin entzog sich dem Arzt abrupt und starrte ihn entgeistert an. „Hast du etwa Mitleid mit diesem Scheusal? Er hätte verrecken sollen, mir wäre es ganz recht gewesen. Schau dir dieses Monster doch einmal an!" Der Mediziner nickte, ging aber nicht weiter auf Jasmins Ausbruch ein. Jasmin hatte um seine Begleitung gebeten, vielleicht öffnete sie sich ja doch noch für ihn? Er warf ihr einen ...
... verstohlenen Blick zu, während sie sich an dem gebrochenen Häuflein Mensch weidete, das vor ihr auf dem nackten Steinboden kauerte und immer wieder unkontrolliert zusammenzuckte. „Mach dir keine Hoffnungen! Ich habe dir immer wieder zu verstehen gegeben, dass ich kein privates Interesse an dir habe." Doktor Lubana war zutiefst gekränkt. Er hatte ihr seine Liebe anvertraut, sie umworben und ihr geholfen, sie hingegen reagierte nur mit Verachtung auf ihn. Nur in Momenten wie diesem, wenn sie ihn brauchte, war er gut genug für sie. Der Arzt blickte nachdenklich auf Long. Vielleicht war sie ihm gegenüber genauso abweisend und arrogant aufgetreten. Wenn ja, konnte er ihn vielleicht sogar verstehen. „Ich gehe wieder nach oben. Vielleicht ist es besser, wenn wir uns in Zukunft aus dem Weg gehen." Jasmin wandte sich zögernd von Long ab. Sie ärgerte sich, dass sie dem Arzt Aufmerksamkeit schenken musste. Möglicherweise würde sie ihn aber noch brauchen. Außer ihm hatte sie niemanden in diesem bizarren Haus, dem sie sich anvertrauen konnte. Vielleicht war sie wirklich zu weit gegangen und hätte ihn nicht so barsch zurückweisen dürfen? „Hey! Jetzt warte bitte! Es tut mir leid. Aber ich will dich nicht immer vor den Kopf stoßen müssen. Meine Gründe habe ich dir doch schon mehrmals erklärt." Doktor Lubana wandte sich zu ihr um. „Ja, das hast du in der Tat. Wiederholt und ausführlich genug. Nein! Es bleibt dabei, Jasmin. Wir gehen getrennte Wege, ich will dich in Zukunft nur noch ...