1. Eigentlich wollte sie nur . . .


    Datum: 18.04.2023, Kategorien: Romane und Kurzromane, Autor: byarne54

    ... ersetzen."
    
    "Meine Familie, Robert, meine Familie! Meinem Mann bin ich gleichgültig und er sieht mich nur als billige Magd, die den Hof versorgt, aber nicht mehr als seine Ehefrau. Für die Kinder bin ich nur interessant, wenn sie etwas brauchen, wie Zimmer aufräumen, Wäsche waschen oder Essen kochen. Da bin ich dann gut genug, um sie auch noch zu bedienen. Sonst leben die beiden ihr eigenes Leben."
    
    Robert sah zu dem Foto, das auf der Anrichte stand.
    
    "Aber auf dem Bild sieht es ganz anders aus."
    
    Marlies schnaubte durch die Nase.
    
    "Ja, damals. Das ist auch schon einige Jahre her. Da waren die Kinder noch jünger und zuhause und mein Gatte hatte auch noch mehr Interesse am Hof und mir, als an seiner Arbeit."
    
    "Wieso, was macht er denn?", wollte Robert wissen.
    
    "Er ist Drucker bei der hiesigen Zeitung in der Kreisstadt, warum?"
    
    Robert verschluckte sich und begann zu husten.
    
    "Na, dann dürfte ihm mein Name nicht ganz unbekannt sein", lachte er. "Schließlich sind wir ja im gleichen Metier tätig. Da hätte er doch am Tag Zeit, auf dem Hof etwas zu machen. Als Drucker arbeitet er doch nur abends und nachts, damit die Zeitung rechtzeitig fertig wird."
    
    "Da ist mir egal. Robert, ich habe nur eine Bitte an dich. Wir sind bis Samstag Abend alleine auf dem Hof. Könntest du wenigstens bis dahin so tun, als wäre ich deine Frau und dir nicht ganz gleichgültig. Ich will nicht viel, aber bitte sei ein wenig lieb zu mir. Respektiere mich als eigenständige Person und ...
    ... behandle mich als gleichberechtigte Partnerin. Das ist etwas, was mir so sehr fehlt. Bitte, versuche es wenigstens."
    
    Marlies blickte ihn geradezu flehend und bittend an.
    
    Robert nahm ihre Hände und küsste ihre Fingerspitzen.
    
    "Bitte, Marlies, du musst nicht betteln. Das hast du wirklich nicht nötig. Ich mag dich sehr, obwohl ich dich erst seit heute kenne. Ich werde so lange bleiben, wie du es willst und ich werde dich so respektvoll behandeln als wärst du meine Frau. Sag es, wenn du etwas möchtest und wenn es im Rahmen meiner Möglichkeiten liegt, werde ich dir jeden Wunsch erfüllen."
    
    Marlies schmiegte sich noch an Robert und die beiden standen noch eine ganze Weile eng beisammen, bis das Muhen des Viehs sie daran erinnerte, was noch zu tun war.
    
    Robert gab Marlies einen kleinen Klapps auf den Po.
    
    "Auf geht´s Schatz, holen wir die Kinder heim. Eine Kuh macht Muh, viele Kühe machen Mühe. Gemolken werden müssen sie ja auch noch."
    
    Marlies lachte herzhaft, griff Roberts Hand und zog ihn zum Stall. Dort gab sie ihm eine Gerte und nahm sich selbst auch eine.
    
    Robert schaute sich die Gerte an. Sie war scheinbar aus dünnem Holz oder Kunststoff, mit Leder umwickelt und hatte einen Ledergriff. Sie war circa einen Meter lang und am unteren Ende des Stabes waren sechs etwa 5 cm lange Lederbänder.
    
    "Nix da", scherzte Robert. "Erst die Arbeit, dann das Vergnügen."
    
    "Blödmann, die brauchen wir zum Treiben", wies ihn Marlies zurecht. "Oder willst du mich damit vielleicht ...
«12...91011...59»