1. Eigentlich wollte sie nur . . .


    Datum: 18.04.2023, Kategorien: Romane und Kurzromane, Autor: byarne54

    ... ist kein Nirgendwo, denn du lebst hier und das ist deine Heimat. Und Träume gehen zwar nicht immer in Erfüllung, aber man kann immer an sie denken und versuchen, dass sie vielleicht einmal wahr werden. Ich bin auf der ganzen Welt unterwegs, aber ich habe keine Heimat. Manchmal wenn ich bei mir in München bin, dann gehe ich abends aus dem Haus, nur um Menschen zu sehen. Bei mir zuhause wartet keiner auf mich und manchmal erschlägt mich fast die Stille in meiner Wohnung. Du hast wenigsten deine Familie und wenn sie auch öfters nerven, sie sind da und du kannst mit ihnen sprechen. Darum beneide ich dich schon."
    
    Marlies drehte sich mit tränennassen Augen zu ihm.
    
    „Du hast gar niemanden, mit den du reden kannst, Robert? Keine Eltern mehr, keine Geschwister, keine Verwandten?"
    
    Er schüttelte traurig den Kopf.
    
    Sie legte ihre Arme um ihn und zog ihn an sich.
    
    So standen sie eine ganze Weile und jeder stützte den anderen und gab ihm Sicherheit und Halt.
    
    Dann nahm sie ihn bei der Hand und zog ihn mit sich.
    
    „Wenn wir jetzt die Kühe nicht heimbringen, dann schlagen wir hier Wurzeln. Komm gehen wir heim."
    
    „Du hast recht, Marli. Vergessen wir über unsere Sorgen die Tiere nicht. Sie können nichts für unsere Probleme."
    
    „Es gefällt mir, wenn du Marli zu mir sagst, Robert. Das klingt so liebevoll und ...
    
    und ..."
    
    „Psssssst, sag nichts, Marli, es ist auch genau so gemeint."
    
    *
    
    Hand in Hand gingen sie zum Zaun, wo die Kühe schon warteten und öffneten ...
    ... das Gatter. Die Tiere wußten genau, wo es lang ging und die beiden hatten Mühe ihnen zu folgen.
    
    Marlies nahm die Melkbecher von der Wand, säuberte die Zitzen am Euter und schaltete die Milchpumpe ein. Dann schob sie die Becher über die Zitzen und die Milch wurde mit Unterdruck abgesaugt.
    
    Robert machte es ihr wie selbstverständlich nach und ging dann zu der nächsten Kuh.
    
    Marlies beobachtete ihn überrascht und fragte: „Sag mal, woher kannst du das?"
    
    Robert lächelte.
    
    „Ich hab mal in der Schweiz auf einer Alm Urlaub gemacht und da habe ich das gelernt. Ich kann sogar von Hand melken."
    
    „Nie im Leben, das glaube ich nicht! Du bist ein Stadtmensch und die können so etwas nicht!"
    
    Marlies schüttelte vehement den Kopf.
    
    Robert sah sich im Stall um und ging zu einer Wand, an der ein Melkschemel hing.
    
    Er schnallte ihn um, nahm einen Milcheimer und ein feuchtes Tuch. Nachdem er die Zitzen gesäubert hatte, hockte er sich neben die Kuh und begann mit rhythmischen Bewegungen erst langsam, dann etwas schneller die Milch abzustreifen.
    
    Marlies schaute ihm mit ungläubigem Blick und offenem Mund zu, aber sie konnte ja hören, wie die Milch in den Eimer schoß. Dann war es vorbei, Robert wischte noch einmal feucht über den Euter, stand auf und reichte Marlies, die immer noch wie festgetackert da stand, den gut gefüllten Eimer.
    
    „Und? Zufrieden?", wollte er mit leichtem Lächeln wissen.
    
    „Äh, ja natürlich. Mensch, du hättest glatt Bauer werden können", meinte sie ...
«12...111213...59»