1. Eigentlich wollte sie nur . . .


    Datum: 18.04.2023, Kategorien: Romane und Kurzromane, Autor: byarne54

    ... wo die besten Motive zu finden sind. Oder was meinst du, Frau?"
    
    ´Ach du lieber Himmel`, dachte sich Robert. `Wie redet denn der mit seiner „geliebten" Ehefrau? Noch unpersönlicher ging es ja nicht. Und die Arbeit, die eigentlich er machen müsste, ist dann auch erledigt.`
    
    Er warf einen schnellen Seitenblick zu Marlies, die recht unbeteiligt dreinschaute, ihm kurz den Kopf zudrehte und schnell mit dem linken Auge ihm zuzwinkerte.
    
    `Schatz, pass auf`, schoß es ihm durch den Kopf, `dein Mann und deine Kinder sitzen mit am Tisch! Nicht dass die etwas mitbekommen.`
    
    „Das mache ich", erklärte Marlies, „und wir sind rechtzeitig zum Melken zurück. Du bist ja am Montag wieder beim Arbeiten, Vera auch und André ist sowieso nicht da. Das kriegen wir schon hin."
    
    „So, dann ist ja alles geregelt", meinte Werner und lehnte sich zufrieden in seinen Stuhl zurück.
    
    `Du treibst deine Frau regelrecht in meine Arme´, dachte sich Robert und sah an Marlies Grinsen, dass sie scheinbar den selben Gedankengang hatte.
    
    *
    
    André war von seinem Kommilitonen abgeholt worden und auf dem Weg nach Heidelberg.
    
    Marlies wollte das Abendessen zubereiten und Robert ging zur Weide, um die Kühe zu holen. „Warte, warte!", hörte er ein aufgeregtes Rufen von hinten.
    
    Vera eilte mit wehendem Haar auf ihn zu.
    
    „Lass mich dir ein wenig helfen", keuchte sie. „Ich hab das schon lange nicht mehr gemacht."
    
    „Wieso das?", fragte Robert neugierig. „Sie leben doch hier auf dem Hof?"
    
    Robert blieb ...
    ... beim "Sie", denn er wollte etwas Abstand wahren.
    
    „Ja, aber da ich als OP-Schwester fast nur in Schicht oder Rufdienst arbeite, bin ich oft nicht da, wenn die Arbeiten anfallen. Und wenn ich dann heimkomme, falle ich meist völlig kaputt ins Bett."
    
    „Na, dann schauen wir mal, ob wir beide das hinkriegen", meinte Robert und rieb sich unternehmungslustig die Hände.
    
    Die Kühe warteten schon am Gatter und konnten gar nicht schnell genug in den Stall kommen.
    
    Robert begann mit der üblichen Prozedur und Vera schaute ihm erstaunt zu.
    
    „Du machst das wohl nicht zum ersten Mal?", fragte Vera.
    
    „Nein, das geht schon die ganze Woche so. Ihre Mutter ist die Fachfrau, die mich angelernt hat. Ich habe also bei einem Profi gelernt", flunkerte er ein wenig.
    
    Vera verzog etwas das Gesicht, als ob es ihr nicht Recht wäre, dass ihre Mutter so über den grünen Klee gelobt wurde. Dann packte sie mit an und nach gut einer Stunde waren die Tiere gemolken, frisches Futter war bereitgelegt und der Wassertank mit dem Trinkwasser war aufgefüllt.
    
    Als sich Robert über den Behälter mit dem Kraftfutter beugte, um einige Schütten in den Leinenbeutel abzufüllen, spürte er, wie sich Vera von hinten an ihn lehnte und ihren Busen gegen seinen Rücken presste. Er tat so, als hätte er es nicht bemerkt und arbeitete ungerührt weiter. Vera versuchte bei den weiteren Aufräumarbeiten ihm immer wieder unauffällig nahe zu kommen, aber Robert schaffte es auf geschickte Weise, ihr aus dem Weg zu gehen.
    
    Als ...
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