1. Eigentlich wollte sie nur . . .


    Datum: 18.04.2023, Kategorien: Romane und Kurzromane, Autor: byarne54

    ... Baumstämmen saß und nachdenklich zur Säge schaute.
    
    So langsam übermannte ihn die Müdigkeit und er legte sich hin. Aber zu viele Gedanken schwirrten in seinem Kopf umher, als dass er gleich einschlafen konnte.
    
    Plötzlich schreckte er hoch. Seine Schlafzimmertür knarrte und öffnete sich leise. Ein Schatten huschte herein, die Tür wurde geschlossen und eine Frauengestalt schlüpfte zu ihm unter seine Decke.
    
    Er tastete sich über ihren Kopf und atmete erleichtert auf.
    
    Marlies.
    
    Er unterdrückte ihren Erklärungsversuch mit einem langen, zärtlichen Kuss und schloss sie fest in seine Arme.
    
    "Danke, dass du mich nicht wegschickst, Rob. Du hast ja gesehen, wie wenig ich meinem Mann als Frau bedeute. Halt wenigstens du mich ein kleines bisschen fest, lass mich fühlen, dass ich eine Frau bin und nicht nur irgendeine Magd."
    
    "Ob du eine Bäuerin oder eine Magd bist, das ist mir egal. Du bist Marlies, die Frau die ich liebe, diejenige, die mir sehr viel bedeutet. Du bist die Seele dieses Hofes und ohne dich wäre er tot. Ach, Marli, ich habe jetzt schon Angst vor dem Augenblick, wenn ich wieder weg muss. Denn tief in meinem Herz spüre ich, dass ich es nicht will."
    
    "Psst, Liebster, denke nicht dran. Nicht jetzt, nicht heute. Dieser Moment gehört nur uns beiden und ich will ihn auskosten. Liebe mich, liebe mich so, als wenn ich deine Frau wäre. Aber mach es leise, denn Vera ist nur zwei Zimmer weiter."
    
    Marlies kicherte, als sie daran dachte.
    
    Sie lag in den Armen des ...
    ... Mannes, den sie liebte und auf den scheinbar auch ihre Tochter scharf war.
    
    Es wurde eine kurze, leidenschaftliche Nacht, voller Zärtlichkeit und Gefühl.
    
    Gegen Vier Uhr morgens schlich Marlies wieder zurück in ihr Schlafzimmer, um noch etwas Schlaf zu finden. Es war schon Sonntag und da konnte sie ruhig eine Stunde länger im Bett bleiben.
    
    *
    
    Robert erwachte und blinzelte. Es war schon ziemlich hell draußen, was er so durch die Läden wahrnehmen konnte. Er schaute auf seine Uhr.
    
    Verdammt! Schon nach Sieben. Er hatte verpennt, aber nach der letzten intensiven Nacht auch kein Wunder. Normalerweise war er um diese Zeit schon beim Melken.
    
    Er grinste, als er diesen Gedanken hatte.
    
    Normalerweise. Ja, aber was war denn schon normal?
    
    Sein ganzes Leben hatte sich in der letzten Woche umgekrempelt.
    
    Er horchte aufmerksam, aber es war im ganzen Haus noch still.
    
    Leise öffnete er die Zimmertür und horchte in den Flur hinaus.
    
    Nichts, kein Laut. Mucksmäuschenstill.
    
    Robert zog sich seine Shorts an und schlich ins Bad. Es war leer. Er ging hinein und schloß die Türe ab. Sicher war sicher.
    
    Er machte eine Katzenmäsche, um den Schlaf aus den Augen zu bekommen, stellte eine Stange Wasser in die Ecke und verließ das Bad ungesehen auf leisen Sohlen. Er zog sich an und machte sich in der Küche einen schnellen Kaffee.
    
    `Ohne Gaffee gann isch nisch gämpfen`, dachte er bei sich und machte sich samt Tasse auf den Weg in den Stall.
    
    Keiner da, die schienen alle noch zu ...
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