1. Eigentlich wollte sie nur . . .


    Datum: 18.04.2023, Kategorien: Romane und Kurzromane, Autor: byarne54

    ... verschieden und selten einer Meinung. Und dann gab ein Wort das andere. Von meinem Mann habe ich da wenig Unterstützung erhalten. Er traute sich nicht seiner Mutter zu widersprechen. Pfft!"
    
    Dieses „Pfft" sagte ihm so ziemlich alles, aber das war nicht seine Angelegenheit.
    
    „Aber ich bin unhöflich", fuhr sie fort.
    
    Er schaute sie fragend an, weil er nicht wusste, auf was sie hinaus wollte.
    
    „Ich weiß wie sie heißen, aber ich habe mich nicht vorgestellt. Also, ich heiße Marlies Gerspach und dieser Hof ist der Gerspach - Hof und gehört meiner Familie und mir. Gut so?"
    
    Robert lachte.
    
    „Vollkommen, jetzt bin ich informiert und weiß das Wichtigste."
    
    "Ja, aber nicht den Weg zur Sägemühle", gab Marlies zurück.
    
    „Ist denn der jetzt noch wichtig?" fragte Robert leise, eigentlich mehr zu sich selbst. Aber sie hatte ihn gehört und auch das was sich dahinter verbarg. Oder bildete sie sich das nur ein?
    
    „Wenn sie noch fotografieren wollen, dann schon. Fahren wir, bevor es zu dunkel wird."
    
    Sie stellte den Rechen an die Wand, wusch sich am Wassertrog das Gesicht und sperrte die Haustüre ab.
    
    Er öffnete die Beifahrertür und Marlies nahm in dem hellbraunen Ledersitz Platz. Sie atmete tief ein und schaute Robert an, der sich gerade festschnallte.
    
    „Echtes Leder?", wollte sie wissen.
    
    Er grinste lausbubenhaft.
    
    „Jo, nachgerüstet. Riecht einfach besser als das schwarze Kunstleder und man verbrennt sich nicht so leicht den Hintern bei der Hitze, wenn man mal kurze ...
    ... Hosen anhat."
    
    „Oder keine." Erschrocken hielt sie inne, als ihr das so unvermutet heraus gerutscht war.
    
    „Oder so", gab er trocken als Antwort, als wäre es das natürlichste der Welt, was sie soeben gesagt hatte.
    
    Trotzdem lief sie rot an und kicherte verlegen. Was sagte sie da nur? Sie kannte ihn doch gar nicht und redete mit ihm, als wäre er ein intimer Freund. Und dieser Robert nahm das einfach so hin, als wäre es normal so zu reden.
    
    Dann musste sie sich darauf konzentrieren, ihm den Weg zu zeigen.
    
    Am Sägewerk angekommen, baute Robert seine Kameras auf und Marlies staunte, als sie sah, was er alles dabei hatte. Sie war immer der Meinung gewesen, eine Kamera würde für alles reichen, aber Robert baute 3 Kameras auf Stativen auf und mit der vierten Kamera ging er umher und suchte sich die besten Motive aus den unmöglichsten Winkeln aus.
    
    Als er sich zwischen zwei Balken hindurch zwängen wollte, eilte sie zu ihm und hielt ihn am Ärmel zurück.
    
    „Gehen Sie bitte nicht rein, Robert. Da ist alles einsturzgefährdet. Nicht dass dir, Entschuldigung, Ihnen etwas passiert."
    
    Das sagte sie mit so viel Sorge und Gefühl in der Stimme, dass es ihm heiß über den Rücken lief. Er schaute sie nachdenklich an und sie erwiderte seinen Blick.
    
    Wie lange sie sich anstarrten, das wussten sie nicht, aber irgendwann wurde ihr Schweigen peinlich. Robert räusperte sich und versuchte sich unbefangen zu geben, während Marlies sich mit den Fingern durch die Haare fuhr und so tat, als ...
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