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Eigentlich wollte sie nur . . .
Datum: 18.04.2023, Kategorien: Romane und Kurzromane, Autor: byarne54
... müsste sie sich ihre Frisur richten. Aber da war nichts zu richten. Robert packte seine Ausrüstung zusammen, verstaute alles im Kofferraum und dann setzten sie sich wieder in das Coupé. Er lies den Motor an und fuhr in Richtung des Hofes. Er fuhr nicht schnell, so als wollte er den Zeitpunkt des Abschiednehmens so lange wie möglich hinauszögern. * Am Hof angekommen half Robert ihr höflich aus dem Auto, dann standen sie nahe beieinander und wussten nicht, wie es weitergehen sollte. Eigentlich sollte er jetzt fahren, wollte es aber nicht wirklich. Und sie musste ihn gehen lassen, aber alles in ihr sperrte sich dagegen. „Wo finde ich einen Gasthof, wo ich ein Zimmer für ein paar Tage nehmen könnte?", wollte er von ihr wissen. „Nirgends!" brach es aus ihr heraus, als wäre das der Ausweg, nach dem sie gesucht hatte. „Es ist Ferienzeit und alles ist ausgebucht. Aber hier am Hof haben wir ab und zu Feriengäste und deswegen auch Ferienzimmer. Du, ääähhh, Sie können gerne für ein paar Tage hierbleiben. Dann müssten Sie nicht immer so weit fahren, wenn sie zu mir, äähh, uns auf den Hof kommen wollten und ich könnte dir, oh nein, Ihnen noch ein paar schöne Motive zum Knipsen zeigen." Marlies verhaspelte sich und wurde rot, als ihr gewahr wurde, was sie eben alles so von sich gegeben hatte. Aber Robert und seine Anwesenheit machte sie nervös und konfus. Er sah seine Chance und griff zu. „Gerne, ich bleibe natürlich gerne. Du hast, äh, Sie haben Recht, da erspare ...
... ich mir viel Fahrerei." Wie er zu dieser Erkenntnis kam, war ihm selbst nicht ganz klar, aber es war das erste, das ihm einfiel. Aber vor allem war er dann in ihrer Nähe und aus welchem Grund auch immer erschien ihm das erstrebenswert. „Aber ich hätte eine Bitte." Sie schaute ihn fragend an. „Wenn wir schon die nächsten Tage uns so, äh, nahe sind, sollten wir uns mit ´DU´ anreden. Sonst ist das so umständlich, oder?" Sie nickte zustimmend. „Nun gut, ich heiße Marlies." "Und ich Robert." „Gut zu wissen", meinte Marlies, die dann wie angewurzelt stehen blieb, weil sie nicht wusste, was nun kommen würde. Würde er nun oder würde er nicht? Er tat es nicht. Er nahm sie nicht in den Arm und gab ihr keinen brüderlichen Kuss, weil er Angst hatte, dass er sie dann nicht mehr loslassen würde. Sie war verdammt noch mal verheiratet und er würde den Teufel tun, die Frau ihrem Mann wegzunehmen. Er hatte nicht das Recht, sich in eine Familie hinein zu drängen, zumal sie ja noch Kinder hatte. Marlies bemerkte den Kampf, den er mit sich ausfocht und auch sie war froh, dass wenigstens er vernünftig blieb. Hätte er sie in seine Arme genommen, dann wusste sie nicht, was sie gemacht hätte. Sie vermisste es schon lange, in den Armen eines Mannes zu liegen und sich begehrt und geliebt vorzukommen. Ihre Ehe war fast in dem Zustand der Gleichgültigkeit angelangt, wo sie und ihr Mann nur noch nebeneinander, aber nicht mehr miteinander lebten. Er hatte sich sogar in ...