1. Eigentlich wollte sie nur . . .


    Datum: 18.04.2023, Kategorien: Romane und Kurzromane, Autor: byarne54

    ... der Werkstatt ein Bett aufgestellt, das er immer häufiger benutzte, während sie alleine im Schlafzimmer blieb. Sie stritten sich nicht, vielleicht war das ja falsch, aber es war nicht ihre Art.
    
    Eigentlich hatte sie schon resigniert und sich damit abgefunden und dann kam dieser Kerl und Frühlingsgefühle erwachten in ihr. Die Art wie er sie anschaute und ihre Phantasie, die sich das ausmalte, das war keine gute Grundlage für eine unpersönliche Beziehung.
    
    Sie riss sich zusammen.
    
    „Komm, Robert, ich zeige dir dein Zimmer. Dann ziehe ich mich um und mache das Abendessen."
    
    Er sah überrascht auf.
    
    „Ja, Essen ist natürlich mit im Zimmerpreis drin." Sie sagte ihm, was das Zimmer täglich kosten würde und er war über den niedrigen Preis erstaunt. Was er sonst an Übernachtungskosten weltweit zu entrichten hatte, war um einiges höher.
    
    „Das ist zu wenig, Marlies, das deckt ja nicht einmal deine Unkosten. Überlege doch noch einmal."
    
    „Robert, das ist meine Sache, was ich für das Zimmer verlange", sagte sie hitzig.
    
    „Schon gut, schon gut", meinte er beschwichtigend und hob die Hände. Er wollte alles, aber keinen Streit. Nicht mit ihr. Aber er würde schon dafür sorgen, dass sie kein Verlustgeschäft machte.
    
    Das Zimmer war einfach, aber gemütlich. Ein großes Bauernbett, ein schöner Schrank, Tisch, zwei Stühle und eine Bank, sowie ein kleiner Fernsehapparat vervollständigten die Ausstattung.
    
    Eine Tür führte in Bad und Toilette, die andere auf den Balkon.
    
    „Telefon ...
    ... gibt es unten in der Stube", informierte sie ihn.
    
    Er stellte seinen Koffer und die Tasche ab, sie schaute sich noch einmal prüfend im Zimmer um und mit den Worten „ich mach schon mal das Essen", war sie verschwunden.
    
    *
    
    Robert räumte schnell alles ein, wusch sich die Hände und war schon auf dem Weg in die Küche, wo er sie hantieren hörte.
    
    „Kann ich dir etwas helfen?", fragte er und erntete einen erstaunten Blick.
    
    „Wieso, das ist doch Frauensache. So was macht doch ein Mann nicht!"
    
    „Woher hast du denn das?", wollte Robert etwas ratlos wissen. „Wieso soll ein Mann nicht auch den Tisch decken und Essen zubereiten?"
    
    „Da wärst du der erste. Mein Mann macht das nicht und mein Sohn auch nicht. Das ist Weiberarbeit und unter ihrer Würde. Sie haben ja sonst genug zu tun. Mein Sohn studiert und mein Mann geht noch arbeiten. Und meine Tochter ist Krankenschwester und abends so kaputt wenn sie heimkommt. Ich mache den Haushalt, kümmere mich um das Vieh und habe auch noch ein wenig im Garten zu tun. Ach Robert, langsam wird mir alles zu viel."
    
    Je länger Marlies redete, desto resignierter klang es.
    
    Robert konnte nicht anders, er nahm sie an den Oberarmen und zog sie an sich. Sie versteifte sich kurz, dann lehnte sie sich an seine Brust und lies ihren Tränen freien Lauf. Er tat nichts anderes, als sie zu halten und flüsterte ihr beruhigende Worte ins Ohr. Nach und nach beruhigte sich Marlies wieder, ihr Schluchzen wurde leiser, aber sie löste sich nicht aus seinem ...
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