1. Die Burg Kapitel 03


    Datum: 08.06.2023, Kategorien: Romane und Kurzromane, Autor: byAldebaranKastor

    ... zwei Rüstungen standen jeweils neben den beiden Treppen, die nach oben führten.
    
    Conlin hatte gesagt, dass ich ihn links hinter der ersten Tür finden könnte. Also setzte ich meinen Weg dorthin fort.
    
    Als ich an der Tür angekommen war, klopfte ich erst dagegen, mochte nicht einfach eintreten. Wusste ich doch nicht, was sich dahinter verbarg.
    
    Auf mein Klopfen erhielt ich selbst nach einer halben Minute keine Antwort, also versuchte ich es noch einmal. Aber auch hierauf erhielt ich keine Rückmeldung. Also legte ich meine Hand auf die große, alt aussehende Klinke und drückte sie herunter.
    
    Als die Tür aufschwang, blieb ich erst einmal einen Moment stehen, denn mir schlug leicht muffige, verbraucht riechende Luft entgegen. Doch das hielt mich nicht davon ab, den Raum zu betreten.
    
    Raum war in diesem Fall untertrieben, Saal wäre dagegen übertrieben gewesen, denn unter einem Saal verstand ich einen großen, offenen Raum.
    
    Dieser Raum war nicht klein, im Gegenteil, aber er war bis an die Decke, mit Bücherregalen vollgestopft. Anders konnte man es nicht ausdrücken. Bücher, wohin man sah, nicht schön sortiert, wie in einer Bibliothek, sondern chaotisch. Selbst auf dem Boden standen kleine Türme von Büchern. Neue waren darunter, nicht zu finden.
    
    Ich ging langsam, die vielen Regale entlang, sah um jedes Regal herum, um Conlin zu entdecken, aber er war nicht zu sehen, dann hörte ich ein leises Husten und ich folgte dem Ton.
    
    Weit hinten im Raum, fast am Ende, saß er an ...
    ... einem kleinen Tisch und hatte eines der Bücher vor sich aufgeschlagen, während einer seiner Finger darin herumfuhr. Er las und sein Finger gab ihm an, wo er sich befand.
    
    Er schien mich nicht zu bemerken, denn man konnte ihm ansehen, dass ihn die Lektüre in Bann gezogen hatte. Von daher machte ich beim Näherkommen etwas Lärm, damit er sich nicht erschrak, wenn ich plötzlich vor ihm stehen würde. Er war nicht mehr der Jüngste und ich wollte nicht dafür verantwortlich sein, wenn er vor Schrecken verstorben wäre.
    
    Vor ihm räusperte ich mich noch einmal und er wedelte einmal mit einem Arm, um mir zu zeigen, dass er mich bemerkt hatte. Dabei starrte er weiterhin in das Buch.
    
    Erst eine halbe Minute später sah er mich an, wobei die aufgesetzte Brille, auf seiner äußersten Nasenspitze saß.
    
    „Ahhh, der junge Herr von Maiden, was führt euch zu mir?"
    
    „Ich habe mir die Schäden am Mauerwerk oberflächlich angesehen und bin zu dem Ergebnis gekommen, dass es recht gut aussieht. Das, was gemacht werden muss, sind ein paar Zinnen auf der Festungsmauer, dem Bergfried und das Gebäude rechts vom Tor. Allerdings werde ich es mir noch genauer ansehen müssen. Alles in allem, mit ein wenig Zeitaufwand, machbar. Wenn mehr Leute zur Verfügung ständen, ginge es natürlich wesentlich schneller!"
    
    Conlin sah mich durch seine Brille an, wobei die Augen durch den Lupeneffekt größer wirkten, als sie waren.
    
    „Habt ihr keine Zeit?", fragte er mich und ich wusste nicht, was ich daraufhin sagen ...
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