1. Der lila Duft des Lavendel


    Datum: 07.06.2021, Kategorien: Erstes Mal Autor: byfreudenspender

    ... Veras Seite weiche. Meine Anwesenheit irritiert sie im ersten Moment. Als sie mich als den Neffen ihres Vaters vorstellt, beruhigen sie sich wieder. Es kehrt auch der überhebliche Gesichtsausdruck zurück.
    
    „Vera, du solltest mit unserem Sohn Philipp ausgehen. Du kannst nicht lange allein bleiben. Du musst dir einen Mann suchen. Philipp ist ein schneidiger Kerl", meint einer Winzer. Ihn schätze ich als den Hinterhältigsten der Runde ein. Er will seinem Sohn eine hübsche Frau und sich das Weingut sichern.
    
    „Danke, ich bin nicht auf Männersuche", lehnt Vera höflich ab.
    
    „Wer bewirtschaftet nun den Hof?", erkundigt sich ein anderer.
    
    „Das mache ich", antwortet Vera.
    
    „Du allein? Mein liebes Kind, so ein Weingut ist doch nichts für ein junges Mädchen. Das ist harte Arbeit und man muss davon auch Einiges verstehen. Das geht nicht so einfach. Du hast ja gesehen, wie schwer sich dein Vater getan hat", meint der erste Gutsherr.
    
    „Vera ist nicht allein. Wir werden das Chateau zusammen bewirtschaften", mische ich mich ein.
    
    Alle schauen mich überrascht an. Damit hatten sie offenbar nicht gerechnet. Mich haben sie gar nicht mehr beachtet.
    
    „Sind Sie Landwirt?", meint einer.
    
    „Ich bin Arzt und werde hier im Ort meine Praxis eröffnen. Wir haben genügend Platz dafür. Darüber hinaus kann ich Vera helfen, wo immer ich kann. Sie wird mir schon sagen, was ich zu tun habe. Sie ist eine sehr kluge Frau", entgegne ich.
    
    „Sie sind Arzt? Wie schön. Es ist eine Ewigkeit her, dass wir einen Arzt im Ort hatten", sagt eine Frau. Ihr sieht man an, dass sie sich freut und, dass sie keine Hintergedanken verfolgt. Vermutlich ist sie damit eine der wenigen.
    
    „So, so, Sie tun das, was eine Achtzehnjährige Ihnen sagt?", spottet einer der Gutsherren.
    
    „Ich glaube nicht, dass ich bereit bin, das Gespräch auf diesem Niveau weiterzuführen", fahr ich ihn an. „Komm Vera, Schatz. Wir gehen!"
    
    ENDE
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