1. Die Burg Kapitel 10/11


    Datum: 12.01.2022, Kategorien: Romane und Kurzromane, Autor: byAldebaranKastor

    ... den Boden, setzte mich in eine Ecke, an die Wand und sah ihm eine halbe Stunde dabei zu. Irgendwann blieb er auf dem zentralen Balken, in der Mitte, stehen und setzte sich darauf.
    
    „Kommt mit hoch, hier könnt ihr etwas Lebendiges fühlen. Nicht diese toten Steine, mit denen ihr euch abgebt. Bringt die Pfeifen mit."
    
    Ich schnappte mir den Beutel mit den Pfeifen, den ich bereits kannte, und lehnte die Leiter neben ihn an den Balken. Dann stieg ich zu ihm hinauf und saß wenig später neben ihm.
    
    Er nahm den Beutel und stopfte etwas Tabak, in einen Pfeifenkopf, dann hielt er mir den Tabak hin.
    
    Ich trug die von ihm geschenkte Pfeife immer mit mir herum. Als holte ich sie aus der Tasche und stopfte sie mir ebenfalls. Wenig später entzündete ein Streichholz die Blätter und wir saßen schmauchend auf dem Balken.
    
    „Hmmm", meinte er nach einer Weile: „Wird noch gehen. Einige sind morsch aber nicht die Wichtigen. Die können wir austauschen. Dann dürfte das Dach die nächsten hundert Jahre überstehen. Vielleicht sogar länger als die Mauern, die es tragen. Die sehen nicht mehr gut aus."
    
    Dabei sah er nach unten und ich folgte seinem Blick. Dabei konnte man sehen, wie sich die Mauer leicht nach außen wölbte.
    
    „Wir müssen das Dach abstützen, wenn ihr die Mauer erneuern wollt. Das Gewicht könnte sonst alles zum Einsturz bringen. Wir können auch das ganze Dach abtragen und neu draufsetzten. Tut aber nicht Not, kostet nur Zeit und Ärger.
    
    Ich werde nie verstehen, wie man mit ...
    ... Stein arbeiten kann. Es bricht oft, ohne dies vorher anzukündigen. Holz ist da anders, ehrlicher. Wenn man hinhört, sagt es einem das, lange bevor es bricht."
    
    Dann saßen wir eine Weile auf dem Balken, bis die Pfeifen keine Rauchzeichen mehr von sich gaben.
    
    Erst danach stieg ich von dem Balken herunter und Lorentz markierte die Teile des Dachstuhls, die ausgetauscht werden mussten. Es waren nicht viele, aber hätte man sie alle weggenommen, wäre das Dach instabil geworden.
    
    Währenddessen sah ich mir die Mauern an, die sich geneigt hatten. Sie hatten über die Jahrhunderte, dem Druck von oben, nachgegeben. Ich würde sie nicht nur erneuern müssen, sondern auch verstärken. Es sah nach einem Kostruktionsmangel aus oder besser gesagt, Pfusch am Bau. So etwas gab es bereits wesentlich länger, als gedacht.
    
    Eine Stunde später war Lorentz mit seiner Besichtigung fertig und kam herunter. Unten angekommen schrieb er auf, was er alles benötigte und gab mir den Zettel. Dabei hatte er nicht nur das Material aufgeschrieben, sondern auch, wie lange wir voraussichtlich brauchen würden.
    
    Nach seiner Berechnung, war es nach erhalt der Materialien eine Woche, wenn ich meine Maurerarbeiten dazu rechnete, würde es keinen Monat dauern. Das war eine gute Aussicht.
    
    Zum Schluss ging ich in Richtung Haupthaus und hoffte Conlin zu finden. Wann dieser zurückgekommen war, konnte ich nicht sagen, aber er hockte wie immer in dem Bücherraum. Ich zeigte ihm alles, was wir für die Arbeiten benötigten ...