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Die Burg Kapitel 10/11
Datum: 12.01.2022, Kategorien: Romane und Kurzromane, Autor: byAldebaranKastor
... und den veranschlagten Preis. Dann sah er mich an, als wenn ich von einem anderen Stern kommen würde. „Lorentz ist nicht bei Trost. Für das Geld kann ich eine neue Burg kaufen. Sagt ihm das!" Ich ging und berichtete Lorentz davon, dass seine Vorstellung zu hoch sei. Er sah mich an und begann zu lachen. „Typisch Conlin. Dreht jeden Pfennig um, als wenn es sein eigener wäre. Es ist besser, ich rede selber mit ihm, sonst könnt ihr euch darauf einstellen, viele Male hin und her laufen zu müssen!" Damit verschwand er grinsend in Richtung Haupthaus und schon wenig später hörte ich die beiden, denn ein kleines Fenster zum Bücherraum, stand offen. Was die beiden genau sprachen, konnte ich nicht verstehen, aber es wurde laut, sehr laut, nur unterbrochen von Flüchen und anderen Worten, die ich weder Lorentz noch Conlin zugetraut hätte. Diese Diskussion oder wie man es nennen sollte, hielt eine halbe Stunde an. Erst dann wurden sie leiser und die Stimmen klangen versöhnlicher. Zum Schluss kam Lorentz mit einem breiten Lächeln aus dem Gebäude, zu mir herüber. „Geht doch!", waren seine einzigen Worte, schnappte sich seine Jacke, die er abgelegt hatte, und ging Richtung Tor. Dann drehte er sich zu mir um und rief: „Morgen früh um neun. Wollen es nicht zu früh angehen." Daraufhin drehte er sich um, öffnete das Tor und verschwand. Kaum war das Tor geschlossen kam Conlin, aus dem Haupthaus und zu mir herüber. Sein Gesicht war dieses Mal nicht so bleich wie ...
... sonst, sondern hatte eine ungesunde rote Farbe angenommen. Man konnte ihm ansehen, dass er sich über alle Maße ärgerte. „Hier!", sagte er zu mir und streckte mir einen Schlüssel entgegen. „Ich soll euch einen Schlüssel für das Tor geben. Frau Gräfin wünscht es. Ist auch besser, denn diesem Verrückten werde ich das Tor nicht mehr aufmachen. Was glaubt er, wer er ist?" Ich nahm den Schlüssel und ohne eine Antwort von mir, drehte Conlin sich um und verschwand im Haus. Eine Antwort hatte er nicht erwartet und ich hätte auch keine gehabt. Wer von den beiden der Verrückte war, konnte und wollte ich nicht entscheiden. Ein leichtes Grinsen konnte ich mir nicht verkneifen. Die nächsten Tage vergingen schnell. Lorentz und ich hatten viel zu tun. Schon zwei Tage später, hatten wir das Dach soweit abgestützt, dass ich die Mauer darunter teilweise einreißen konnte. Dabei achtete ich darauf, die alten Steine nicht zu sehr zu beschädigen, denn ich wollte sie beim Aufbau wider verwenden. Zumindest von außen sollte man die Korrektur nicht gleich bemerken. Lorentz selber sauste wie ein Eichhörnchen im Dachstuhl herum und tauschte Balken um Balken aus. Mehrfach kam es vor, dass mir Sägespäne auf den Kopf rieselten. Dabei hatte ich manchmal den Eindruck, als wenn er extra dort sägte, wo ich gerade arbeitete. Wenn ich nach oben sah, grinste er über das ganze Gesicht. Pausen wurden natürlich eingehalten, wobei ich den Eindruck gewann, dass Lorentz nur arbeitete, um Pausen machen zu ...