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Die Burg Kapitel 10/11
Datum: 12.01.2022, Kategorien: Romane und Kurzromane, Autor: byAldebaranKastor
... wieder die Schwanzfedern angesteckt hatte. Größere Stücke gebratenes Wild waren aufgetragen worden, welche man an ihrem dunklen Fleisch erkennen konnte. Dazwischen standen andere Schalen, teilweise mit Waldfrüchten wie Erd-, Blau- oder Preiselbeeren oder mit verschiedenen Gemüsesorten gefüllt. Hier und da lief die Bedienung herum, die zumeist aus Jungen bestanden, die unentwegt mit Kannen voller Wein darum bemüht waren, dass alle Gäste zu trinken hatten. Es war eine ausgelassene Gesellschaft, die sich dort getroffen hatte und feierte. Ich wusste, dass sie nicht hinter mir sein konnten, trotzdem drehte ich mich um, damit ich mir sicher sein konnte. Doch dort war niemand. Sofort drehte ich mich wieder um, sah dabei die Gräfin an. „Ja!", sagte sie, „Meine und ihre Familie, bevor alles passierte. Ich kann sie jedes Mal bei Vollmond sehen. Ich kann das Bild aber nicht ertragen. Seit über hundert Jahren habe ich es mir nicht mehr angeschaut. Es macht mich traurig. Es ist eine zusätzliche Strafe, die mir auferlegt wurde." Dann griff sie neben den Spiegel und hielt einen Schürhaken in der Hand, den ich nicht bemerkt hatte. Sie holte damit aus und schlug auf den Spiegel ein, bevor ich sie davon abhalten konnte. Doch als der Haken die glatte Oberfläche traf, hinterließ er nicht einen Kratzer. Auch beim nächsten Schlag war es nicht möglich, dem Glas etwas anzuhaben. „Jetzt wisst ihr, warum ich ihn zugehängt habe. Ich kann ihn nicht zerstören!" Bei diesen Worten ließ ...
... sie ihren Arm sinken, der Haken entwand sich ihrer Hand und fiel polternd auf den Boden. Dabei hatte man den Eindruck, als wenn nicht nur der Haken zu Boden fiel, sondern zugleich die ganze Spannung, aus ihrem Körper wich. Ich umschloss sie ein weiteres Mal mit meinen Armen und hielt sie fest, sonst wäre sie zu Boden gesunken. In diesem Moment kam sie mir unendlich verletzlich vor, obwohl ich den gegenteiligen Eindruck von ihr gehabt hatte. Dann verschwand der Mond hinter einer Wolke und das zuvor Gezeigte, verschwand aus dem Spiegelbild. Nur wir beide waren zu sehen, wie wir eng umschlungen davor standen und uns gegenseitig festhielten. Ohne ein Wort, hob ich die Gräfin hoch und hielt sie leicht auf meinen Armen, dann ging ich zur Treppe und stieg diese mit ihr hoch. Oben angekommen, wusste ich zuerst nicht wohin, nahm aber gleich die erste Tür, hinter die ich zuvor niemals geschaut hatte. Es war Zufall, dass sich dahinter ein Schlafzimmer befand. Es war mit einem großen Himmelbett versehen und einem Spiegeltischchen, vor dem ein Stuhl stand. Sonst gab es keine Einrichtung. Ich ging zum Bett und ließ die Gräfin aus meinen Armen darauf gleiten. Sie hatte ihre Augen geschossen und atmete ruhig, als wenn sie schlafen würde. Dann ging ich zum Spiegeltisch, zündete eine Kerze an, die dort stand, nahm den Stuhl und setzte mich mit diesem an das Bett. Daraufhin nahm ich ihre Hand in die meine und sah sie an. Sie hatte ihre Augen geschlossen und lag lang ausgestreckt ...