1. Die Burg Kapitel 08/09


    Datum: 12.03.2022, Kategorien: Romane und Kurzromane, Autor: byAldebaranKastor

    ... wieder auftaucht? Ich fand ihn auf den Gräbern und noch gestern meinte ein Mädchen, was ich im Wald getroffen habe, dass ich als ein von Maiden ihr Herr wäre!"
    
    Als ich das sagte, hob Conlin seine Augenbrauen unmerklich an und man konnte ihm ansehen, dass er davon keine Ahnung hatte. Bei allem anderen war ich davon überzeugt, dass er mehr wusste.
    
    „Und was ist mit der Frau, die ich gerade oben zwischen den Zinnen des Bergfrieds gesehen habe?
    
    Die Frau Gräfin war es nicht, dass weiß ich. Habt ihr die Falltür repariert und wenn ja, wer war sie?
    
    Soll ich mit meinen Fragen weitermachen oder reicht das jetzt?"
    
    Conlin sah mich abwartend von unten an, ohne sich zu rühren.
    
    „Macht nur weiter, ich höre mir gerne weitere Fragen an."
    
    Das meinte er doch wohl nicht im Ernst. Er saß da mit einer störrischen Ruhe und man konnte in seinem Gesicht lesen, dass es ihn amüsierte.
    
    „Gut Conlin, was ist mir der Burg, die nicht weit von hier weg liegt? Warum zeigt das Bild in der Gaststätte immer den Istzustand der Burg? Warum sehe ich seltsame Bilder, wenn ich in der Ruine der anderen Burg bin? Warum werde ich mit Gold bezahlt? Warum ist der Name in der ersten Grabplatte entfernt worden?"
    
    Hier hielt ich an, um tief Luft zu holen. Dabei wusste ich nicht einmal, ob ich jetzt alle Fragen gestellt hatte, die sich in mir angestaut hatten. Doch wenn ich mir noch einmal alles durch den Kopf gehen ließ, würde mir mehr einfallen. Die nächtlichen Begegnungen in der Gastwirtschaft ...
    ... ließ ich wissentlich aus. Ich fand, dass sie hier nicht hingehörten.
    
    Conlin sah mich an und seine Mundwinkel zogen sich nach oben.
    
    „Junger Herr, ich könnte ihnen etwas dazu erklären, aber nicht alles. Ich würde euch vorschlagen, euch mit diesen Fragen an die Frau Gräfin zu wenden. Sie wird euch die Antworten geben können."
    
    Dann senkte er seinen Kopf und las wie selbstverständlich in seinem Buch weiter.
    
    „Wann?", fragte ich Conlin und in meiner Stimme war Verärgerung zu hören. Es regte mich gewaltig auf, dass ich mit meinen Fragen stehen gelassen wurde.
    
    „Wenn es soweit ist und die Frau Gräfin euch empfängt!"
    
    Bei dieser Antwort hob Conlin nicht einmal seinen Kopf und ich fühlte mich, als wenn man mich auf ein Abstellgleis geführt hätte.
    
    Ich stand einen Moment vor seinen Tisch und konnte es nicht glauben.
    
    Dann hob er doch noch einmal seinen Kopf und meinte trocken: „Kann ich noch was für euch tun oder habt ihr nichts zu tun?"
    
    In diesem Moment hätte ich ihm am liebsten den Kopf abgerissen. Ich drehte mich verärgert um und stampfte aus dem Raum, an die frische Luft.
    
    Conlin sah mir lächelnd nach und schaute erneut in sein Buch. Ohne es zu ahnen, hatte ich ihm Antworten auf seine Fragen gegeben, die er nicht gestellt hatte. Ich hingegen stand da und musste erst einmal tief einatmen. Aus Frust ging ich zum Bergfried und versuchte die Luke zu öffnen.
    
    Vergebens, sie rührte sich nicht um einen Millimeter nach oben. Es war zum Verzweifeln. Wie hatte es die ...
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