1. Die Burg Kapitel 08/09


    Datum: 12.03.2022, Kategorien: Romane und Kurzromane, Autor: byAldebaranKastor

    ... ging zur zweiten Tür von rechts und klopfte erst einmal an, da ich dachte, dass es sich gehörte.
    
    „Kommt herein!", hörte ich leise an meine Ohren dringen und ich drückte die schwere Klinke herunter, um die Tür zu öffnen.
    
    Im Raum war es recht dunkel, weil schwere Brokatvorhänge vor den Fenstern kaum Licht hineinließen. Dafür brannte in einem Kamin ein Feuer, was heruntergebrannt war. Die Flammen fanden kaum noch Nahrung, daher war es mehr ein Glühen, als ein Brennen.
    
    Vor diesem Kamin standen zwei hochlehnige Stühle, bei denen man nicht direkt sehen konnte, ob sich jemand darauf befand. Das einzige Zeichen dafür waren die Arme und hier besonders die Hände von Frau Gräfin, die auf den Armlehnen lagen. Sie saß von mir abgewandt, in einem der Stühle und hob einen Arm, winkte mich heran. Zwischen den Stühlen stand ein niedriger Tisch mit zwei Gläsern und einer Kristallkaraffe, in der eine blutrote Flüssigkeit zu erkenne, war.
    
    „Hättet ihr die Güte, Feuerholz nachzulegen. Mich fröstelt es ein wenig!"
    
    Neben dem Kamin, stand ein großer geflochtener Korb, in dem dicke Scheite Holz lagen. Also ging ich zu dem Korb, nahm drei Scheite daraus und legte sie vorsichtig auf die Glut. Trotzdem stoben viele kleine Funken auf und verglühten entweder beim Aufsteigen oder verschwanden im Abzug des Kamins. Erst danach drehte ich mich zu ihr um und war sofort von ihr fasziniert.
    
    Sie trug wie immer ein langes, dunkles, fast schwarzes Kleid, was seiden glänzte. Dieses war jedoch ...
    ... nicht bis zum Hals geschlossen, sondern mit einem V-Ausschnitt versehen. Dieser Ausschnitt ließ ihr Dekolleté weiß leuchten. Dazu hatte sie dieses Mal ein ebenfalls dunkles, nur drei Zentimeter breites Halsband, um ihren Schwanenhals gewunden. Die langen Ärmel endeten in weißen Rüschen und das Kleid kurz oberhalb der Schuhe, die auf einem kleinen Hocker standen.
    
    Ich betrachtete sie kurz, bemerkte, dass sie mich nicht ansah, sondern das Feuer hinter mir betrachtete.
    
    „Setzt euch!", sagte sie, ohne mich anzusehen.
    
    Wenig später saß ich in dem anderen Sessel.
    
    „Mir wurde gesagt, dass ihr einige Fragen habt, wobei es euch wahrscheinlich am meisten interessiert, warum ihr hier seid?"
    
    Ich nickte und wusste, dass sie es im Augenwinkel sehen konnte.
    
    „Nehmt euch ruhig von dem Wein. Er ist schwer, erfreut jedoch den Gaumen."
    
    Dann machte sie eine weitere Pause und wartete solange, bis ich mir ein Glas eingeschenkt hatte. Dieses setzte ich an meine Lippen an und trank ein erstes kleines Schlückchen.
    
    Er war wirklich schwer, zugleich aromatisch und passte irgendwie zu der Situation.
    
    „Ich glaube, ich werde weiter ausholen müssen, um euch alles zu erklären. Vielleicht wird der heutige Tag nicht für die Erklärung ausreichen, doch es wird euch zumindest einen kleinen Einblick verschaffen und eure Neugierde ein wenig befriedigen.
    
    Auf der einen Seite seid ihr hier, um die Burg in den alten Zustand zu versetzten. Doch wie ihr bereits festgestellt habt, ist das nicht alles, ...
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