1. Das Bangkok Syndikat 17


    Datum: 21.08.2022, Kategorien: Nicht festgelegt, Autor: bySena78

    ... blickte Kim fragend an. Zärtlich strich ihre linke Hand mit einer nervösen Bewegung über seine rechte Wange. Was sie jetzt sagen wollte, schien sie einiges an Überwindung zu kosten.
    
    „Du nimmst mich mit?"
    
    Alain zögerte in diesem Moment keine Sekunde. Vielleicht wünschte er es sich ja wirklich?
    
    „Ja! Verlass dich drauf! du bleibst nicht hier!"
    
    Eine Träne löste sich in ihrem rechten Auge und rann ihre Wange hinab. Dieser Moment berührte ihn tief in seiner Seele, auch wenn er sich dagegen zu wehren versuchte.
    
    „Versprichst du es mir?"
    
    Alain nickte, rückte näher an Kim heran und gab ihr einen Kuss.
    
    „Ja doch! Mach dir deswegen keine Sorgen! Wir müssen nur durchhalten."
    
    Achtunddreißigster Tag, morgens, Bangkok
    
    Bonians Erschöpfung drohte endgültig den Sieg übers seinen Willen davonzutragen, an Schlaf war in den letzten beiden Tagen nicht zu denken gewesen. Nur mit größter Anstrengung hielt er sich noch auf den Beinen und bewahrte mühsam seine Konzentration.
    
    Zwei neue Gehilfen saßen mit im Auto, Malaien, die Wang sich von einem Freund erbeten hatte. Abgebrühte und mit allen Wassern gewaschene Spießgesellen, die keine Miene bei dem an Grausamkeit kaum noch zu überbietenden Horrorszenario verzogen hatten, das sie die ganze Nacht lang mit angesehen und zudem auch noch aufgezeichnet hatten.
    
    Die Domina hatte entsetzlich gewütet. Selbst jetzt klingelte es noch in Bonians Schädel, so laut hallten die markerschütternden Schreie der beiden Verräter nach. ...
    ... Natürlich hatten beide ausgepackt, immerhin wusste man jetzt, woran man war. Immer wieder hatte Khoa beteuert, dem Angebot nicht erlegen zu sein, doch Wang hatte natürlich recht. Man durfte hier nicht die geringste Nachlässigkeit einreißen lassen, widrigenfalls die ganze Organisation binnen kürzester Zeit wie ein Kartenhaus zusammenbrechen würde. Selbst wenn hierfür Kollateralschäden in Kauf zu nehmen wären und es auch einmal den Falschen treffen konnte, durfte man gerade jetzt, da sich die Gewitterwolken über ihren Köpfen zusammenzogen und die Gefahr mit jedem Augenblick wuchs, nicht das geringste Anzeichen von Schwäche zeigen.
    
    „Wohin fährst du eigentlich?"
    
    Bonian wandte sich seinem Beifahrer zu, einem groß gewachsenen, schlaksigen Typen, dessen tief liegende Augen in Kombination mit dem verknöcherten und von Narben gezeichneten Gesicht ihn beinahe unheimlich erscheinen ließen. Bonians Eindruck, eher einen Toten denn Lebenden neben sich sitzen zu haben, schien nicht so weit hergeholt zu sein.
    
    „Die beiden haben es gleich geschafft. Ich denke, es ist nur noch eine Erleichterung für sie."
    
    Bonian nickte nachdenklich. Herrn Wangs Gefängniswärterin hatte die beiden ununterbrochen mit hemmungsloser Brutalität misshandelt und war dabei, so wie auch er selbst, stets penibel darauf bedacht geblieben, unerkannt zu bleiben. Nun lagen die beiden Opfer im Kofferraum des Wagens, übersät mit den Malen und Wunden der stundenlangen Folterungen, die das Maß des Erträglichen bei weitem ...
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