1. Das Bangkok Syndikat 16


    Datum: 26.11.2022, Kategorien: Nicht festgelegt, Autor: bySena78

    ... auf das Häuflein Elend, das einmal sein Freund gewesen war.
    
    „Was ist los mit ihm? Sag schon!"
    
    Doktor Lubana wandte sich der Domina zu und wischte sich beiläufig den Schweiß von seiner Stirn.
    
    „Er scheint ein schweres Trauma zu haben. Der andere hat recht, du hast völlig übertrieben."
    
    Nori starrte den Chinesen wutentbrannt an.
    
    „Nein! Er erholt sich wieder! du wirst es sehen!"
    
    Nochmals betrachtete Doktor Lubana den jungen Deutschen, der auf dem Doppelbett in Noris Zimmer lag und noch immer am ganzen Leib heftig zitterte. Der Arzt hatte die Symptome dieser posttraumatischen Belastungsstörungen während seiner Ausbildung in zahlreichen Lehrfilmen gesehen, die von Soldaten gehandelt hatten, die nicht mehr in der Lage gewesen waren, die schrecklichen Eindrücke des Krieges und all die damit verbundenen Gräueltaten zu verarbeiten. Sogar der Fachbegriff war ihm noch geläufig. Schüttler oder Kriegszitterer nannte man diese bedauernswerten Wesen.
    
    „Du solltest ihn unbedingt ins Krankenhaus bringen. Meine Meinung!"
    
    Nori starrte den Mediziner entgeistert an. Er wusste doch genau, dass sie das nicht konnte.
    
    „Ich lass Euch jetzt allein. Die Spritze wird ihn zumindest ein wenig zur Ruhe kommen lassen. Mehr kann ich im Moment leider nicht für ihn tun."
    
    Er warf Nori einen abwertenden Blick zu, der ihr nicht verborgen blieb. Sie hörte noch die Tür zuschlagen, der Mediziner hatte ihr Zimmer ohne ein weiteres Wort verlassen.
    
    Wie lange Nori neben Christian gelegen ...
    ... und ihn angestarrt hatte, war ihr selbst nicht bewusst. Mit Sicherheit mussten es aber mehrere Stunden gewesen sein. Hatte er denn wirklich bleibenden Schaden genommen? Oder wollte ihr dieser Quacksalber nur ein schlechtes Gewissen einreden? Dieses unentwegte Zittern ... wenn es doch nur endlich aufhören würde. Nori musste mit sich und ihren inneren Zwängen kämpfen. Am liebsten hätte sie ihn zur Ruhelosigkeit gezwungen. Sie beherrschte ihn doch! Warum hörte er nicht endlich auf damit, wenn sie es ihm doch befahl? Nori spürte deutlich, dass sie sich um ihren Sklaven sorgte. Warum passierte das ausgerechnet jetzt? Er hatte doch kaum auf Tom reagiert. Und dann hatte ein einziger Schlag von ihr ausgereicht, um ihn in den Wahnsinn zu treiben? Nein! Das durfte einfach nicht sein! Nicht gerade jetzt, wo sie doch alles zu regeln begann.
    
    Der Junge neben ihr starrte mit leerem Blick vor sich hin, während seine seltsamen Zuckungen langsam abklangen. Die Spritze zeigte also endlich Wirkung. Als Nori ihn in wirschem Tonfall anzusprechen versucht hatte, war sein Zittern wieder in heftiges Schütteln übergegangen. Behutsam und in ruhigem Ton hatte sie es nochmals versucht und tatsächlich schien er darauf besser anzusprechen. Vorsichtig schob sie ihm ihren rechten Arm unters Genick, allmählich schien die Leere in seinem Blick zu weichen. Langsam schwanden auch die Zweifel der Domina, ob Christians Zustand sich wieder stabilisieren ließe, wiewohl sie ihm gegenüber zumindest in nächster Zeit ...
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