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Das Bangkok Syndikat 16
Datum: 26.11.2022, Kategorien: Nicht festgelegt, Autor: bySena78
... hintangestellt zu haben, ganz im Gegensatz zu ihrem Mann. Mittlerweile glaubte sie, dass Maurice aus Bangkok geflüchtet war, unfähig, sich weiterhin mit dem Verlust seines Sohnes auseinanderzusetzen. „Woran denkst du gerade?" Doktor Katanaa griff nach Maria Silamis rechter Hand und küsste deren Oberseite, bevor er ihre Frage beantwortete. „Ich habe die letzten Tage an Deiner Seite ungemein genossen, Maria, auch wenn das im krassen Gegensatz zu Deiner Beziehungssituation und der Sorge um Deinen Sohn steht und wohl auch ziemlich unangebracht erscheint." Er senkte den Blick und zögerte. „Ich mag dich sehr." Maria hatte es gespürt. Anfangs hatte sie an seiner Aufrichtigkeit noch gezweifelt, doch so selbstlos, wie er sich ihr gegenüber in letzter Zeit gegeben hatte ... „Aber du siehst die Umstände, oder? Mein Mann, mein Sohn. Ich lebe so weit weg von hier ..." Zu ihrer Überraschung hellte sich die Miene des neben ihr liegenden Thailänders auf. „Du hast also selbst auch schon darüber nachgedacht?" Alains Mutter fühlte sich ertappt. Aber wie konnte sie es ihm auch verheimlichen, nachdem er sich ihr so unmissverständlich und offen anvertraut hatte? „Ich bin dir so dankbar für all das, was du für mich getan hast, und freue mich auch über deine Nähe. Aber ... versuche es bitte einmal realistisch zu betrachten. Welche Chance hätten wir denn wirklich?" Der Rechtsanwalt verstand nicht. „Und dann bittest du mich, dass ich mich neben dich ...
... lege?" Maria Silami erblasste. „Ich weiß, das war sehr egoistisch von mir. Verzeih bitte." Beide wussten nicht wirklich, wie sie sich verhalten sollten. Sie wünschten sich beide keinen Bruch, brauchten einander und doch hatten beide gewichtige Gründe, die gegen ihre Freundschaft oder gar eine Beziehung sprachen. So schwiegen sie sich eine Weile an, keiner war im Moment bereit, ihr Verhältnis zu klären oder es gar zu beenden. Schließlich beugte sich Doktor Katanaa über das Gesicht der Frau, die er begehrte. Er wollte ein Zeichen setzen, für sie, letztlich aber auch für sich selbst. Er sah ihren unsicheren Blick und auch die Angst in ihren Augen vor dem, was er zu tun beabsichtigte. Ein Wort der Ablehnung hörte er allerdings nicht. Wie schön sie doch war, trotz ihres Alters. Ihre Lippen berührten sich, sie schmeckten einander, nie waren sie sich bisher derart nahe gewesen. Maria zuckte erschrocken zur Seite, was hier passierte, durfte einfach nicht sein. Sie entzog sich ihm, raffte sich auf und setzte sich auf den Rand der Matratze. Was hatte sie soeben nur geritten? Warum hatte sie es so weit kommen lassen? War es ihre Sorge, die sie weich werden hatte lassen? Ihre eigenen Wünsche, die ihr Mann schon seit vielen Jahren nicht mehr zu befriedigen wusste? Sie war jenseits der fünfzig und seit mittlerweile fünfundzwanzig Jahren mit Maurice verheiratet. Bilder tauchten in ihrer Erinnerung auf, von Alain, dessen Geburt, der ersten Geburtstagsfeier ..., warum nur waren so ...