1. Das Bangkok Syndikat 16


    Datum: 26.11.2022, Kategorien: Nicht festgelegt, Autor: bySena78

    ... vor schierer Übermüdung zur Ruhe gekommen waren, hatte die Angst vor neuen Misshandlungen und Demütigungen erholsamen Schlaf verhindert.
    
    Die dünne Stoffdecke und eine mittelharte Matratze hatten die ungemein harten Bedingungen, die ihm von dieser Wahnsinnigen aufgezwungen worden waren, etwas gelindert. Doch welchen Preis hatte er dafür zu zahlen gehabt? Er hatte sich niemals Gedanken gemacht, wie Prostituierte sich fühlen mussten, ob sie ihrer Tätigkeit freiwillig nachgingen oder von jemandem dazu gezwungen wurden, unter welchen Bedingungen sie zu arbeiten hatten, ob sie, wie er jetzt, in einem Gefängnis gefangen gehalten wurden oder freiwillig auf den Strich gingen, um ihren Körper für schnelles Geld zu vermarkten.
    
    Tom zog die Decke über seinen Kopf, behielt die Tür durch einen kleinen Spalt aber im Auge. Vor etwa einer Stunde war Nori mit Essen in der Zelle erschienen und hatte anschließend Uaan mitgenommen, so wie jeden Morgen, seitdem die Domina ihre kleine Landsfrau von dieser Droge abhängig gemacht hatte.
    
    Wann würde sie ihn wieder holen? Er hob die Decke an und blickte auf die kleine Thailänderin, die, auf ihrer Matte hockend, ins Leere starrte. Auch sie schien heute nicht aus ihren Gedanken herauszufinden, wirkte trotz der Drogen müde und verbraucht. Im Gegensatz zu ihm hatte sie gestern gearbeitet. Wohin die Domina sie mitgenommen hatte, wusste er bis jetzt nicht. In tiefe Lethargie verfallen starrte sie leise schluchzend vor sich hin. Irgendetwas schien sie ...
    ... in regelrechte Panik versetzt zu haben.
    
    „Heul leiser, Uaan. Bitte! Ich kann doch auch nicht mehr."
    
    Die kleine Thailänderin drehte ihren Kopf in Richtung des Bettes, in dem der Mann, der vor Kurzem noch so etwas wie ihr Freund gewesen war, sich an die Bettdecke klammerte. Sie hatte gespürt, wie sehr er gegen seine Antipathie ihr gegenüber angekämpft hatte und dennoch war sie immer wieder aus ihm herausgebrochen. Liebte sie ihn noch? Sie wusste es nicht. Doch war sie sich sicher, dass die Liebe, die er für sie empfunden hatte, nun erloschen war. Sie konnte ihm ja nicht einmal einen Vorwurf machen. In ihrem Kopf ging es nur noch um den nächsten Schuss und den Menschen, der ihr diesen verabreichte. Nur in Momenten wie diesen, wenn die Wirkung der Droge die Sucht in den Hintergrund drängte, kehrte ihr Verstand zurück und auch der Wunsch nach ihrem alten Leben.
    
    „Sie wird dich gehen lassen.", flüsterte sie, ohne ihm dabei ins Gesicht zu sehen.
    
    Tom aber zog die Decke von seinem Kopf und starrte die junge Frau ungläubig an. Was hatte sie da soeben von sich gegeben?
    
    „Wer wird mich gehen lassen? Was meinst du?"
    
    „Nori! Einer ihrer Kunden hat mit ihr über dich und Alain gesprochen."
    
    Tom konnte und wollte ihr nicht glauben. Sicher war dies nur ein weiteres, boshaftes Spiel dieser kranken Sadistin, um ihn und seine Freunde zu quälen.
    
    Uaan aber heulte jetzt ungehemmt, der eigentliche Grund, der sie immer tiefer in ihrer Lethargie hatte versinken lassen, brach nun aus ...
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