1. Das Bangkok Syndikat 16


    Datum: 26.11.2022, Kategorien: Nicht festgelegt, Autor: bySena78

    ... Scham. Es war so unglaublich gewesen, sie ihm so nahe und doch so weit entfernt. Sehnte er sich etwa nach ihr? Es war doch die Sklavin gewesen, die ihm Reiz und Befriedigung verschafft hatte, nicht die Domina selbst. Von ihr hatte er nur zwei Dinge erfahren dürfen, Demütigung und Schmerz.
    
    „Herr Na Ajutthaja?!? Wenn Sie dann bitte eintreten möchten."
    
    Knappe drei Minuten hatte Chai bereits im Vorzimmer des deutschen Botschafters ausgeharrt und darauf gewartet, zu Doktor Sievers vorgelassen zu werden. Er erhob sich aus dem bequemen Fauteuil und folgte der hochgewachsenen Frau in die Amtsräume des deutschen Botschafters. Es musste etwas passiert sein, sonst hätte man ihn nicht so kurzfristig einbestellt.
    
    Neben Doktor Katanaa und ihm selbst hatte sich auch Alains Mutter eingefunden. Selbige schien ziemlich aufgebracht zu sein, im Gegensatz zu den anwesenden Herren verzichtete sie auf höfliche Begrüßungsfloskeln, forderte Chai lediglich mit einer leidlich unwirschen Handbewegung auf, endlich Platz zu nehmen.
    
    Der private Ermittler sah fragend in die Runde, auch er wollte nun endlich den Grund der spontan anberaumten Zusammenkunft erfahren.
    
    „Hier! Lesen Sie das. Mein Mann hat es vor einigen Stunden zugestellt bekommen."
    
    Chai nahm ein beschriebenes Blatt Papier aus Doktor Katanaas Händen entgegen, der das Schreiben wohl bereits gelesen haben musste. Der Gesichtsausdruck des Rechtsanwalts zeigte keinerlei Regung, vielleicht aber war genau dies das Zeichen, welches ...
    ... dessen Erregung verriet. Auch Doktor Sievers blickte weise und abwartend in die Runde, während er sich ab und an über sein Kinn strich.
    
    „Lesen Sie! Ich denke, wir brauchen Sie dann nicht mehr. Es gibt keinen Grund mehr für mich, Zurückhaltung zu üben."
    
    Chai überflog die in krakeligen Lettern verfassten Zeilen, dessen Verfasser über eine kindlich und überzeichnet wirkende Handschrift verfügte. Der Klub war in dem Schreiben erwähnt, Nori als jene Domina genannt, die Christian, Alain und Tom entführt, seitdem immer und immer wieder grausam misshandelt und vergewaltigt hatte. Und ein Unbekannter, der Alain augenscheinlich dabei geholfen hatte, diese Nachricht an seine Eltern zu versenden. Wahrscheinlich hatte dieser Unbekannte auch die Botschaft zu Papier gebracht. Die Zeichen wirkten bei näherer Betrachtung eher gemalt, denn geschrieben.
    
    „Hier steht, wir sollten vorsichtig sein. Er wird uns das nicht umsonst mitgeteilt haben."
    
    Der Ermittler blickte die beiden Männer und Maria Silami der Reihe nach nachdenklich an. Der Brief war ohne Zweifel nicht von Alain selbst verfasst worden, abgesehen von der Adresse und seinem Namen stand nichts darin, was die Umstände seines Aufenthalts zweifelsfrei darstellte. Für die hiesigen Behörden würde dieses Schreiben mit Sicherheit keinen ausreichenden Grund darstellen, sich auf ein waghalsiges Unterfangen einzulassen, bei dem es eventuell Tote und Verletzte geben konnte, zudem es sich im gegenständlichen Falle auch noch um Ausländer ...
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